Bosnien Herzegowina 4/2012

Ausbildungshilfe für 54 Seminaristen im Priesterseminar von Sarajevo


Von den 820 000 Katholiken, die vor dem Krieg zwischen 1992 und 1995 in Bosnien-Herzegowina lebten, sind nur 460 000 übrig geblieben. Die Auswanderungswelle hält jedoch weiterhin an. Denn für Katholiken wird die Lage in dem südosteuropäischen Land, das früher zu Jugoslawien gehörte, immer schwieriger.

Katholiken werden in Bosnien Herzegowina systematisch benachteiligt

Der Erzbischof von Sarajewo, Vinko Kardinal Puljic, berichtete unserem Hilfswerk vor kurzem aus erster Hand, dass Katholiken systematisch auf dem Arbeitsmarkt, in Schulen und in anderen Sphären des gesellschaftlichen Lebens benachteiligt werden. Ziel sei es, sie dazu zu bewegen, das Land zu verlassen. Kirchliche Grundstücke und Gebäude, die in der Zeit des Kommunismus konfisziert wurden, würden nicht zurückerstattet, Baugenehmigungen für Kirchen jahrelang herausgezögert. Die Regierung habe „kein Interesse daran, der katholischen Kirche ihr Eigentum zurückzugeben“.

Stetige Islamisierung des Landes

Mit Sorge beobachtet der 66jährige Kardinal die zunehmende Islamisierung des Landes. Mit Petrodollars aus Saudi-Arabien werden vielerorts muslimische Zentren und Moscheen gebaut. Überall entstehen neue Moscheen, allein in Sarajewo waren es in den letzten Jahren 70. Inzwischen leben in Bosnien-Herzegowina bereits 3000-5000 Wahhabiten (Anhänger einer radikalen  sunnitischen Glaubensrichtig, die in Saudi-Arabien Staatreligion ist), die versuchen, Einfluss in der Gesellschaft zu gewinnen. „Niemand aus der Regierung hat den Mut, sich dieser Entwicklung entgegen zu stellen“, beklagt er.

Die katholische Kirche ist die einzige Kraft in der Gesellschaft, die sich für ein gleichberechtigtes und friedliches Miteinander der verschiedenen Volksgruppen und Religionen einsetze, berichtet der Kardinal. „Wir sind eine Minderheit, aber wir sind eine konstruktive Kraft, die etwas zum Gelingen der Gesellschaft beitragen will.“

Zeichen der Hoffnung: Zahl der Berufungen steigt

So gibt es also nicht nur schlechte Nachrichten. Denn im Priesterseminar von Sarajewo bereiten sich trotz aller Schwierigkeiten zur Zeit 54 jungen Männer darauf vor, eines Tages als Priester an den Tisch des Herrn zu treten. Die Zahl der Berufungen ist stark gestiegen, und dies schenkt den Katholiken im Land Hoffnung. Wo die Menschen ihren Pfarreien Geborgenheit und  einen Seelenhirten finden, wandern sie nicht ab. Manche Flüchtlinge finden auch den Mut, wieder in ihre Heimat zurückzukehren, sobald in dem Ort, aus dem sie stammen, das kirchliche Leben wieder aufgebaut wird. So werden Priester dringend gebraucht, aber fast alle der jungen Männer, die sich berufen fühlen, stammen aus armen Familien – wie die meisten Katholiken des Landes.

Mit 27 000 Euro möchten wir helfen, dass die 54 jungen Männer, die sich ganz in den Dienst Gottes, der Kirche und der Menschen in Bosnien-Herzegowina stellen möchten, auch in diesem Jahr ihre Ausbildung fortsetzen können. Vinko Kardinal Puljic, der mutige Kardinal, der im Bosnienkrieg keine persönlichen Opfer scheute, um an der Seite seiner Gläubigen zu sein, schreibt uns und damit unseren Wohltätern: „Wir in Bosnien Herzegowina sind dankbar für all die Liebe, die wir in den schweren Tagen des Kommunismus, des Krieges und der Nachkriegszeit erfahren haben“.

Code: 444-02-79

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