TSCHECHIEN 05/2017

Umbau eines Gebäudes als Kloster der Gemeinschaft „Chemin Neuf“


Am 17. Mai 2017 hätte Miloslav Kardinal Vlk, der ehemalige Erzbischof von Prag seinen 85. Geburtstag gefeiert. Er starb nur zwei Monate vorher. Einige Stunden vor seinem Tod flüsterte er: „Schönster König“. Als man ihn fragte, wen er meinte, antwortete er: „Jesus am Kreuz“. Dies waren seine letzten Worte.

Das Kreuz und mit ihm den Gekreuzigten zu umarmen, waren in seinem Leben keine leeren Worte. Mehrere Jahre lang musste er zur Zeit der Kirchenverfolgung durch die Kommunisten in der damaligen Tschechoslowakei darauf warten, überhaupt eine Universität besuchen zu dürfen, da er sich geweigert hatte, dem kommunistischen Jugendverband beizutreten. Insgesamt 17 Jahre lang wartete er nach dem Abitur auf die Priesterweihe, ohne dabei zu wissen, ob dieser Tag jemals käme. Als er bereits Priester war und als Pfarrer sowie als Sekretär seines Bischofs tätig gewesen war, verbot ihm die Regierung elf Jahre lang, als Priester tätig zu sein. In dieser Zeit verdiente er seinen Lebensunterhalt als Fensterputzer und als Archivar und übte seinen priesterlichen Dienst nur im Geheimen aus. Immer wieder berichtete er davon, wie schwer es ihm gefallen sei, dieses Opfer zu bringen. Dennoch konnte er sagen: „Ich entdeckte, dass dieses Kreuz mehr zu meinem Heil und dem anderer diente, als wenn ich noch einige Jahre lang der Sekretär des Bischofs geblieben wäre. (…) Die Zeit als Fensterputzer war die gesegnetste Zeit meines Lebens. Ich verstand, dass ich mein Priestersein in ganzer Fülle lebte.“

„Beugt euch in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist“ (1Petrus 5:6). Diese Worte hatten Miloslav Vlk wie ein Leitmotiv in seinem Leben begleitet. Er hörte sie, als junger Mann, als er sich zum Priester berufen fühlte und keine Möglichkeit sah, dieses Ziel zu erreichen. Als er 1994 zum Kardinal ernannt wurde, war er erschüttert, wieder diese Worte aus dem Petrusbrief zu hören, die in seinem Leben buchstäblich wahr geworden waren. 

Am er am 25. März 2017 im Prager Veitsdom zur letzten Ruhe gebettet. Hunderte Bischöfe und Priester aus der ganzen Welt und Tausende Menschen aus Prag und aus ganz Tschechien erwiesen ihm die letzte Ehre. Er wurde in dem wichtigsten Gotteshaus Tschechiens beigesetzt, in dem die böhmischen Könige gekrönt und begraben wurden. Aber sein König war Christus, der Gekreuzigte. Als sein Sarg in den Steinboden versenkt worden war, erklang in der überfüllten Kathedrale der Gesang: „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat“ (Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit). Als der Kardinal seine letzten Worte flüsterte, hatte er diesen König vor Augen gehabt, der ihn sein Leben lang an Seinem Leiden und Seiner Verlassenheit teilhaben ließ und der ihn nun erhöhte.

Der größte Wunsch des Kardinals war es, die Liebe zu Christus wieder in den Tschechen zu erwecken. Dies war nach dem Kommunismus eine große Herausforderung. Miloslav Kardinal Vlk war ein langjähriger Freund von „Kirche in Not“. Die Hilfe, die unser Hilfswerk ihm beim Wiederaufbau der Kirche in seiner Erzdiözese Prag leistete, erwiderte er „in einer anderen Währung – der des Gebetes“, wie es der Kardinal wiederholt gegenüber „Kirche in Not“ zum Ausdruck brachte. 

Aber noch heute gibt es für die Kirche viel zu tun: Zahlreiche enteignete Kirchengebäude wurden von der Regierung noch nicht zurückerstattet, viele sind noch immer in erbärmlichen Zustand. Vor allem aber müssen die Seelen der Menschen wiederaufgebaut werden. Denn die heutige Tschechische Republik ist das am stärksten atheistisch geprägte Land Europas.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass dort, wo die Menschen sehen, dass der Glaube wirklich gelebt wird, sich bald junge Menschenfinden, die den Glauben neu entdecken und sich taufen lassen. So bilden sich lebendige Gemeinden mit jungen Familien, die ihre Kinder im Glauben erziehen und den Grundstein für die Zukunft der Kirche legen.

In Tuchomerice, einem Ort, der unweit von Prag gelegen ist, hat sich die katholische Gemeinschaft Chemin Neuf“ niedergelassen. Die Gemeinschaft ist sehr aktiv: Sie veranstaltet Treffen für Jugendliche, junge Erwachsene und Ehepaare, Einkehrtage, Gebetsgruppen und eine Bibelschule. Jeden Tag wird die Heilige Messe gefeiert und das Morgenlob gebetet. Außerdem besteht die Möglichkeit zur Eucharistischen Anbetung. Das Haus der Gemeinschaft soll auch für Gruppen genutzt werden, so dass nicht nur die Menschen aus dem Ort von der Arbeit der Gemeinschaft profitieren, sondern auch die Gläubigen aus anderen Teilen der Erzdiözese. Dank der Hilfe von „Kirche in Not“ konnte bereits die Kapelle und der Speisesaal fertiggestellt werden. Auch sechzehn Gästezimmer sind inzwischen entstanden, aber der Ausbau ist noch nicht abgeschlossen. Wir möchten mit 25.000 Euro helfen.

Bei einer allfälligen Überfinanzierung wird Ihre Spende einem ähnlichen Projekt zugute kommen und die pastorale Arbeit von "Kirche in Not" unterstützen. 

Code: 430-08-19

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