Ägypten: Kriegserklärung gegen Christen

Pfarrer Kamil Samaan aus Ägypten besuchte vom 11. bis 19. März 2017 die Schweiz. In verschiedenen Pfarreien feierte er Gottesdienste und hielt Vorträge über die Lage der Christen in Ägypten. Das Land am Nil erlebte in den vergangenen Jahren eine Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit. Christen wurden oft Opfer wegen ihres Glaubens. Kamil Samaan leitet in Kairo ein Kinderheim und spricht fliessend Deutsch.

«Kirche in Not» ACN

Jahrhundert die dominierende Religion. Der Evangelist Markus soll um das Jahr 50 in Ägypten missioniert haben. Heute bezeichnen sich je nach Quellen zwischen 6% und 12% der Bevölkerung Ägyptens als Christen. Die meisten Christen gehören zur koptisch-orthodoxen Kirche. Die römisch-katholischen Christen machen weniger als 1% der Bevölkerung aus.

Christen bis anhin Bürger zweiter Klasse

Ägypten wurde zur Zeit Nassers nicht als religiöser, sondern als sozialistischer Nationalstaat definiert. Viele Ägypter emigrierten als Arbeitssuchende in den 1980er- und den 1990er-Jahren in das erdölreiche Saudi-Arabien, wo sie mit dem islamisch-wahabitischem Gedankengut in Kontakt kamen und es nach Ägypten brachten. Ägyptische Christen werden seither in der Gesellschaft verstärkt ausgegrenzt. In den Medien werden alle Nichtmuslime als „Kuffar“ (Ungläubige) bezeichnet. In der Politik sind Schlüsselpositionen Muslimen vorbehalten.

Tote bei Anschlägen

Zwischen Sommer 2012 und Sommer 2013 waren die Muslimbrüder mit Präsident Mohammed Mursi an der Macht. Die Christen hatten es unter ihnen schwer – sie machten die Christen zu Fremden im eigenen Land. Seit der Präsidentschaft von Abd al-Fattah as-Sisi sieht es für die Christen wieder besser aus, so dürfen Kirchen wieder gebaut werden. Doch auch unter as-Sisi gehen die Anschläge weiter. So kamen bei einem Anschlag auf die koptisch-orthodoxe Kirche St. Peter und Paul in Kairo im Dezember 2016 28 Menschen ums Leben. Die Terrormiliz Islamischer Staat übernahm dafür die Verantwortung und erklärte im Februar 2017 den christlichen Kopten den Krieg. Seither kam es zu diversen Gewaltexzessen. 

Pfarrer Kamil Samaan und die koptisch-katholische Kirche

Kamil Samaan wurde 1952 in Assiut geboren. Er absolvierte das Priesterseminar in Maadi, einem Stadtteil in Kairo. In den Jahren 1976 und 1977 leistete er in der Nähe von Suez Militärdienst. Am 12. Juni 1978 empfang er die Priesterweihe und wirkte als Seelsorger in Ägypten. Weitere Studien führten ihn 1983 nach Rom, wo er doktorierte. Danach kehrte er zurück nach Ägypten, wo er bis 2011 als Dozent an verschiedenen Hochschulen wirkte. Seit 2011 leitet er das Kinderheim „Guter Samariter“ in Kairo.

Die koptisch-katholische Kirche gleicht der koptisch-orthodoxen Kirche des Landes in Liturgie und Spiritualität, steht aber in Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl in Rom. Derzeit gehören der Kirche etwa 200 000 Gläubige an. Sie sind in 7 Diözesen organisiert und werden von rund 240 Priestern betreut. «Kirche in Not» unterstützt die katholische Kirche des Landes sowohl durch Stipendien für die Priesterausbildung als auch durch die Förderung pastoraler Projekte wie Sommerlager für Jugendliche. Das Hilfswerk stellte für Projekte in Ägypten jährlich rund CHF 1 Mio. bereit.

Fotos:

  1. Gläubige beim Gebet in einer Kirche in Ägypten (Bild: «Kirche in Not»)
  2. Pfarrer Kamil Samaan (Bild: «Kirche in Not»)
  3. Pfarrer Kamil Samaan mit Jugendlichen des Kinderheims (Bild: «Kirche in Not»)
  4. Demonstrierende nach den Übergriffen bei der Markuskathedrale in Kairo, Sonntag 7. April 2013 (Bild: «Kirche in Not»)
  5. Trauerfeier in der Markuskathedrale in Kairo, Sonntag 7. April 2013 (Bild: «Kirche in Not»)
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