Ein „Bethlehem“ für irakische Christen

Internationales Hilfswerk ACN startet Adventskampagne: „Zurück zu den Wurzeln“ 
Der Advent ist die „Zeit des Erwartens“. Für Tausende irakischer Christen hat sich die Wartezeit nach ihrer Vertreibung durch die Terrororganisation IS auf unbestimmte Zeit ausgedehnt. Seit 2014 mussten viele von ihnen ihre Wohnorte verlassen. Sie wollen wieder zurück in die Orte, wo ihre Vorfahren seit dem Beginn des Christentums lebten. Doch ihre Häuser wurden nach der Vertreibung zerstört, beschädigt und ausgeplündert. Das internationale päpstliche Hilfswerk Aid to the Church in Need (ACN) bringt christliche Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurück.


Rund 8000 Familien will ACN wieder die Rückkehr in ihre irakischen Wohnorte ermöglichen. Dafür müssen 5000 Häuser in der nordöstlichen Ninive-Ebene aufgebaut werden. Oft teilen sich zwei Familien ein Haus. Schon mit 2000 Euro (2300 USD) pro Haus können Dächer, Türen, Fenster und Sanitäranlagen erneuert werden. Darüber hinaus erhalten 15.000 Kinder und Jugendliche ein Weihnachtspaket mit Mänteln und Süßigkeiten - Ordensschwestern und Katecheten aus der Diözese Erbil werden die Geschenke vorbereiten.

Das Hilfswerk ACN bittet deshalb vor Weihnachten verstärkt um Spenden, damit Vertriebene  „zurück zu ihren Wurzeln“ gehen können. So lautet auch das Kampagnenmotto. Pater Andrzej Halemba verbindet es mit der Adventszeit: „Bethlehem bedeutet ‚Haus des Brotes‘. Wir wollen auch Christen in der Ninive-Ebene wieder ein ‚Bethlehem‘ ermöglichen, eine Wohnstätte mit Existenz, “ fügt der Nah-Ost-Referent von ACN hinzu. 

Durchschnittlich 2000 Euro für ein renoviertes Haus  

Laut dem Wiederaufbaukomittee für Ninive sind erst 27 Prozent der Familien in ihre Wohngebiete in den nordöstlichen Irak zurückgekehrt. Vor Ort ist die Lage immer noch angespannt. Mehr als 10.000 Häuser müssen für die Rückkehrer saniert oder wieder aufgebaut werden. Zur Wiederaufbauzone gehören neun Ortschaften, darunter Qaraqosh (Bakhdida), Bartella und Teleskuf. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau einschließlich der Infrastrukturen und über 360 Kirchengebäude in diesem Gebiet werden auf gut 230 Millionen Euro (250 Millionen US Dollar) geschätzt. Die ACN-Kampagne “Zurück zu den Wurzeln” ruft grenzüberschreitend dazu auf, sich an dieser Mammutaufgabe zu beteiligen.

Vertriebene Christen nach dem Exodus nicht vergessen

Dank Unterstützern aus der ganzen Welt konnte das Hilfswerk ACN bisher Tausende irakischer Christen in ihre Orte zurückbringen: „Zuerst halfen wir mit Nothilfe-Projekten und Wohn-Containern, damit die Vertriebenen ein Dach über dem Kopf und Kinder Schulunterricht erhalten,“ schildert Johannes Freiherr Heereman: „Glücklicherweise konnten inzwischen viele in gemeinsam genutzte Häuser umziehen,“ fügt der geschäftsführende ACN-Präsident hinzu. Das internationale Hilfswerk half zudem mit Mietzuschüssen, Nahrungsmittelpaketen, Existenzhilfen an vertriebene Priester und Schwestern sowie beim Wiederaufbau von Kapellen.

ACN hat über  nahezu drei Jahre mehr als 35 Millionen Euro für die Rückkehr der Christen in den Irak gesammelt. “Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns”, betont Heereman. Spenden und Gebete für diese vom Leid gekennzeichneten Christen seien gleichermaßen wichtig. ACN will mit dieser Kampagne die Hoffnung auf das persönliche „Bethlehem“ für irakische Flüchtlinge greifbarer machen: „Ihre Heimat ist noch sehr vom Krieg gezeichnet. Trotzdem wollen sie zurück zu ihren Wurzeln. Das ist mutig,“ betont der ACN-Präsident und mahnt: „Wir dürfen die christliche Minderheit nach dem Exodus nicht alleine lassen.“

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