Fastenkampagne 2017 Afrika: Zentralafrikanische Republik

Kardinal Dieudonné Nzapalainga, der Erzbischof von Bangui, bereist zurzeit alle Diözesen der Zentralafrikanischen Republik. Seine Rundreise begann er in der vergangenen Woche in der Diözese Bouar im Nordwesten des Landes. Dort besuchte er vom 22. bis 24. Februar die Pfarrei von Bozoum und die Stadt Bocaranga, in der es erst Anfang Februar zu schweren Gewalttaten gekommen war. Auf dem Programm standen auch Gespräche mit Rebellen. Pater Aurelio Gazzera, der Pfarrer von Bozoum, hat den Kardinal begleitet und hat im Anschluss daran am 26. Februar mit «Kirche in Not» über diesen Besuch gesprochen. 

Kirche in Not ACN

Frage: Wie haben Sie den Besuch von Kardinal Nzapalainga in Ihrer Pfarrei und Ihrer Diözese erlebt?

P. Aurelio Gazzera: Der Besuch des Kardinals erinnerte ein bisschen an den Besuch des Papstes in Bangui vor einem Jahr. Die Freude und die Hoffnungen der Menschen, die damit verbunden waren, sind sehr gross gewesen! Die Leute haben dem Kardinal einen überwältigenden Empfang bereitet. Auch auf den 125 Kilometern, die wir mit dem Kardinal auf seinem Weg von Bozoum nach Bocaranga zurücklegten, musste er in allen Dörfern anhalten, denn die Einwohner erwarteten ihn bereits entlang der Strasse und wollten ein Wort von ihm hören und seinen Segen empfangen. Es war beeindruckend zu sehen, wie sehr die Menschen dem Kardinal wirklich zuhören wollten. Und dieses Zuhören, so glaube und hoffe ich, war für viele der Anfang eines neuen Weges, so wie es für viele die Worte des Papstes waren, als er im November 2015 unser Land besuchte.

Frage: Sie haben zusammen mit dem Kardinal auch an zwei Treffen mit Rebellen der Antibalaka teilgenommen. Was können Sie uns darüber berichten?

P. Aurrelio Gazzera: Die Rebellen waren bewaffnet, die einen mit einfachen Flinten, die sie aus Wasserrohren gebastelt haben, andere mit Kalaschnikows. Die Antibalaka waren im Krieg die Gegner der Seleka. Inzwischen sind sie eine gemischte Gruppe von Männern, die die Waffen ergriffen haben, um ihre Familien und Dörfer zu schützen, denen sich jedoch auch Jugendliche zugesellt haben, die aus dieser Lage Profit schlagen und von Raub und Erpressungen leben. An sie hat der Kardinal eine ruhige, aber nachdrückliche Einladung gerichtet, ihr Leben zu ändern und sich nicht durch Dinge und Geld betören zu lassen, und vor allem nicht von denen verführen zu lassen, die sie zum Kämpfen drängen und sie dann fallen lassen.

Frage: Sie sind persönlich sehr erfahren in Verhandlungen mit bewaffneten Gruppierungen. In der Tat ist es Ihnen bereits mehrfach gelungen, Rebellen zum Abzug zu bewegen, um ein Blutbad zu verhindern und die Zivilbevölkerung zu schützen. Sie hatten auch dieses Mal die Gelegenheit, zu den Rebellen zu sprechen. Was haben Sie ihnen gesagt?

P. Aurelio Gazzera: Ich habe sie dazu eingeladen, darüber nachzudenken, dass jemand, der Gewalt sät, selbst nichts anderes als den Tod ernten wird. Und dass jetzt die Stunde gekommen ist, um an den Aufbau zu denken. Ich habe sie auch dazu aufgefordert, darüber nachzudenken, dass es in Wirklichkeit um die Interessen skrupelloser Menschen geht, deren erste Opfer sie selbst sind! Und oft bedenken sie nicht die Folgen, die ihr Handeln hat, wenn sie Zerstörungen anrichten, Menschen schikanieren und Häuser niederbrennen.

Frage: Glauben Sie, dass diese Begegnungen mit den Rebellen etwas gebracht haben?

P. Aurelio Gazzera: Mir kamen die Männer im Allgemeinen ziemlich aufmerksam vor, und zumindest einige schienen die Sehnsucht zu empfinden, neue Wege des Friedens zu suchen und ihr Leben zu ändern. Es wird Zeit brauchen, aber wenn jemand bereit ist, zu diskutieren, ist es immer ein grosser Schritt nach vorne, der zu einem Wandel beitragen kann.

Frage: Was war die wichtigste Botschaft des Kardinals?

P. Aurelio Gazzera: Ich glaube, seine wichtigsten Botschaften waren diese: Erstens: „Vertraut auf Gott, habt keine Angst!“ Dies war auch die Botschaft des Tagesevangeliums. Und dann: „Habt einen weiten Blick, beschränkt euch nicht darauf, euch mit den Dingen zufrieden zu geben, sondern habt eine Vision auf lange Sicht! Dies wird ein neues Land, ein neues Leben für alle möglich machen!“

Frage: In einem Land, das unter bewaffneten Konflikten, extremer Armut und einem Totalversagen des Staates leidet, spielt die Kirche eine wichtige Rolle. Hat der Kardinal auch über die Rolle der Kirche, besonders der Priester und Ordensleute, gesprochen?

P. Aurelio Gazzera: Es gab einen sehr bewegenden und intensiven Augenblick, als wir in Bocaranga in der Kapelle der Schwestern zu circa 20 Ordensleuten aus verschiedenen Missionsstationen mit dem Kardinal zusammengekommen waren. Darunter waren ganz junge Novizen, Schwestern, die gerade ihre Ewige Profess abgelegt hatten, bis hin zu alten Missionaren, die seit über 40 Jahren in der Zentralafrikanischen Republik ihren Dienst tun. Sie alle sind, besonders in diesen vier Jahren des Krieges, auf ihrem Platz geblieben – trotz der Bedrohungen, der Raubüberfälle, der Einschüchterungsversuche! Der Kardinal hat nachdrücklich die Dankbarkeit der Kirche und der Menschen für dieses permanente Ausharren trotz des Krieges zum Ausdruck gebracht, Und er hat etwas erzählt, was in einer Pfarrei in Bangui auf dem Höhepunkt des Krieges geschehen ist. Ein Mann sagte zu ihm: „Ich bin geblieben, weil das Licht im Haus der Schwestern brannte. Und ich wusste, wenn sie blieben, konnte auch ich bleiben!“. Es ist wahr, dass die Kirche sehr viel tut: Sie errichtet Schulen, Krankenhäuser, Kirchen, Kapellen… Und dann ist da noch die Arbeit, die sie tut, indem sie Zeugnis ablegt und die Stimme erhebt. Aber am schönsten von all diesem ist es, an der Seite der Menschen zu stehen. Die Türen unserer Pfarreien und Missionsstationen allen zu öffnen, die in Not waren und sind. Auch dies ist Evangelisierung: Es bedeutet, die Gegenwart und die Liebe Gottes des Vaters konkret sichtbar zu machen!

«Kirche in Not» unterstützte Projekte der katholischen Kirche in der Zentralafrikanischen Republik im Jahr 2015 mit CHF 1.6 Mio.

Das internationale katholische Hilfswerk «Kirche in Not» widmet Afrika seine diesjährige Fastenkampagne. Unter dem Motto „Ihr Glaube ist unsere Hoffnung“ möchte die päpstliche Stiftung auf einen Kontinent mit etwa 1,112 Mia. Einwohnern setzen, von denen 215 Mio. Katholiken sind. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung beträgt gerade mal 19 Jahre.

Fotos: 

  1. Kardinal Dieudonné Nzapalainga und P. Aurelio Gazzera in Bozoum (Bild: «Kirche in Not»)
  2. Kinder begrüssen Kardinal Dieudonné Nzapalainga mit Blumen (Bild: «Kirche in Not»)
  3. Kardinal Dieudonné Nzapalainga besucht eine Schule in Bozoum (Bild: «Kirche in Not»)

Spenden für das Projekt:

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