Kardinal Gerhard L. Müller in Einsiedeln

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, von 2012 bis 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und die «Nr. 3 im Vatikan», nahm auf Einladung des Hilfswerks «Kirche in Not» am Sonntag, 27. Mai 2018, an der diesjährigen Wallfahrt teil, die unter dem Motto stand: „200 Millionen verfolgten Christen! Folgen für Gesellschaft und Glaube?“ Bildergallerie  Video von der Wallfahrt Kath.ch - Grosses Interesse an Wallfahrt mit Kardinal Müller zum Thema Christenverfolgung Tages-Anzeiger 29.5.2018 "Die römische Kurie ist doch kein Mafiaclan"


Begonnen hat die Wallfahrt in der bis auf den letzten Platz gefüllten Klosterkirche Einsiedeln mit einem feierlichen Pontifikalamt. Eine Delegation der päpstlichen Schweizergarde war anwesend. Kardinal Gerhard Ludwig Müller war Hauptzelebrant und hielt die Predigt. In der Predigt erklärt er die Bedeutung des Dreifaltigkeitssonntags, der an diesem Sonntag gefeiert wurde. Ebenso erwähnte er den lobenswerten Einsatz des Hilfswerks «Kirche in Not», das sich für die Not leidenden und verfolgten Christen in 148 Länder einsetzte. Im Aufruf zur Kollekte wurde für das Wiederaufbauprojekt «Recht auf Heimat für Christen im Irak» aufmerksam gemacht. Im Irak zerstörte die radikalislamistische Terrorgruppe IS mehr als 13‘000 Häuser von Christen. Seit Beginn dieses Wiederaufbau-Projekts konnten über 3 000 Häuser wiederhergestellt werden. Diese renovierten Häuser vermitteln den irakischen Christen konkrete Hoffnung auf einen weiteren Verbleib in ihrer Heimat.

Podium im Kongresszentrum
Im Kongresszentrum Zwei Raben fanden sich über 500 Personen zum Podium ein. Nachdem der Geschäftsführer des Hilfswerks, Jan Probst, in seiner Einführung daran erinnerte, dass das Christentum weltweit die am meisten verfolgte Religion ist und alle 5 Minuten ein Christ oder eine Christen wegen ihres Glaubens getötet werden, wurde die Diskussion unter der Leitung von Antonia Moser, Journalistin bei Radio SRF 2, eröffnet. Am Gespräch beteiligten sich nebst dem Kardinal auch CVP-Präsident Gerhard Pfister, Bischof Felix Gmür, Solothurn, und Roberto Simona, Experte bei «Kirche in Not» für religiöse Minderheiten.
Kardinal Müller erwähnte während der Diskussion, dass es für ihn bereits eine Art religiöser Verfolgung darstelle, wenn religiöse Symbole in Europa nicht mehr im öffentlichen Raum gezeigt werden dürften. Roberto Simona schilderte das Beispiel seines irakischen Freundes Mounir, der wegen islamischen Fanatikern sein Land verlassen musste und heute in den USA lebt. Heute schaut Mounir voller Hass und Verbitterung auf die Muslime. Roberto Simona bemerkte, dass sich Mounir mit einer solchen Haltung vor allem sich selbst schade. Anstatt an der Vergebung der Täter zu arbeiten und nach vorne zu schauen, verenge der Hass dessen Herz und lasse ihn verbittert und unglücklich zurück.
Bischof Felix Gmür erklärte im Gespräch, dass die katholische Kirche sich rund um den Globus für die Bildung einsetze. Wenn es der Kirche gelinge, möglichst viele junge Menschen von der Strasse zu holen und ihnen eine Perspektive im Leben zu vermitteln, dann sei schon viel erreicht worden. Die sei ein konkreter Akt der Nächstenliebe. CVP-Präsident Pfister erklärte, dass die Politik in einem gewissen Dilemma stecke, wenn es darum ginge, wirtschaftliche Güter in Länder zu schicken, in denen die Religionsfreiheit nicht vollumfänglich gewährleistet sei. Da es in der Schweiz auch konkret um Arbeitsplätze gehe, kann die Politik nicht einfach entscheiden, mit solchen Ländern den Güter- und Dienstleistungsaustausch abzuklemmen. Damit würde sich die Schweiz unter Umständen auch schaden.

Gutes Tun
Nach der angeregten Diskussion über das Thema der Christenverfolgung in der heutigen Zeit, zeigten sich alle Anwesenden erfreut, als Jan Probst, Geschäftsführer von «Kirche in Not» Schweiz, verkündete: „Dank ihrer grosszügigen Unterstützung ist es dem Hilfswerk möglich, überall dort zu helfen, wo Hoffnungslosigkeit und Resignation herrscht. Besonders im Nahen Osten ist unsere Hilfe für die Christen ein Licht in der Dunkelheit.“

 

Bildlegenden:
Impressionen von der «Kirche in Not»-Wallfahrt nach Einsiedeln (27.05.2018) (Bild: «Kirche in Not»)

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