«Kirche in Not» bewilligt mehr als CHF 3.5 Mio. für 40 Wiederaufbauprojekte in Syrien

Das Hilfswerk «Kirche in Not» hat ein neues Hilfspaket mit mehr als 40 Projekten in der Seelsorge und Nothilfe für syrische Christen unterschiedlicher Riten bewilligt. Damit versucht «Kirche in Not», die schwierige Lage zu lindern, unter der das Land weiterhin leidet, und die in den unterschiedlichen Wirtschaftssanktionen, etwa der Handelssperre für Erdöl, ihren aktuellen Grund hat. Vor solchen Einschränkungen warnte der maronitische Bischof Joseph Tobji von Aleppo, als er am 27. Juni bei einer Konferenz vor dem Europäischen Parlament in Brüssel sagte: „Sie töten das syrische Volk genauso wie die Waffen.“ Video: "Ein Tropfen Milch"

Kirche in Not ACN Syrien

„Warum müssen Kinder und Kranke wegen Arzneimittelmangel sterben? Warum müssen Arbeitslose verhungern, die wegen des Embargo entlassen wurden?“, fragte der Bischof vor den europäischen Abgeordneten.
Als Reaktion auf diesen und ähnliche Notrufe der katholischen und orthodoxen lokalen Kirchen in Syrien stellt «Kirche in Not» mehr als CHF 2.3 Mio. für den Lebensunterhalt und für die ärztliche Betreuung notleidender und vertriebener Familien in mehreren Teilen des Landes, vor allem in Aleppo und Homs, zur Verfügung.
Ein weiteres schwerwiegendes Problem im Land stellt die Migration dar – laut Bischof Tobji ist sie „eine gefährliche, weiterhin blutende Wunde“. Unter der Flut der Zwangsmigranten befänden sich selbstverständlich auch syrische Christen. Waren sie schon vorher eine Minderheit, so „werden sie ganz verschwinden, wenn die vom Krieg verursachte Lage nicht bald zu Ende geht“. Geblieben sei nur noch ein Drittel der Christen, die früher dort gelebt hätten. Angesichts einer solch grossen Auswanderung fragt sich der maronitische Bischof, wer nun das Land wieder aufbauen solle. Denn Syrien sei ein Land „ohne Produktivität, ohne Arbeitskräfte, eine leblose Gesellschaft“. Die Christen spielten als „kulturelle Brücke“ zwischen dem Westen und dem Orient eine entscheidende Rolle als Friedenselement innerhalb der syrischen Gesellschaft. „Wenn die Christen verschwinden, werden viele Probleme entstehen, nicht nur für das Land sondern auch für Europa. Schliesslich ist sie nur wenige Kilometer von uns entfernt“, so seine Vorhersage.

Besondere Hilfe für Kinder und junge Menschen
Ein weiteres grosses Ziel des Hilfswerks für die nächsten Monate ist die Unterstützung der Kinder und jungen Menschen, die eigentlich die Zukunft des Landes wären. Aber gerade die elterliche Sorge um die Zukunft der Kinder ist oftmals der Grund für die Auswanderung vieler christlicher Familien. So richten sich 25% der von «Kirche in Not» neu bewilligten Projekte an die Jugend. Einerseits hat «Kirche in Not» mehrere Stipendienprojekte begonnen, denn viele Familien haben ihr Haus und ihre Arbeitsplätze verloren, weshalb sie über keine Mittel für die Ausbildung ihrer Kinder verfügen. Wegen der wirtschaftlichen Not müssten viele eine Zukunft ausserhalb des Landes suchen. In den nächsten Monaten kommt dieses Programm 1 215 Schülern und 437 Studenten aus Homs sowie 105 Studenten aus Damaskus zugute. Außerdem hat «Kirche in Not» Hilfen für die Einschulung von Kindern aus 300 notleidenden Familien aus Damaskus sowie von kranken Kindern und Waisen zugesagt.
Weitere Projekte sind für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen aus Aleppo vorgesehen, die nach sieben Jahren Krieg und Auseinandersetzungen traumatisiert sind. Viele von ihnen haben in den letzten sieben Jahren die Stadt nicht verlassen und nichts anderes als Krieg kennengelernt. Sie brauchen Hilfe, um wieder gesund zu werden und um sich geistlich und psychisch zu entwickeln. P. Antoine Tahan, der Pfarrer der armenisch-katholischen Kirche vom Heiligen Kreuz, hat eine Gruppe junger Freiwilliger gewinnen können, die ihn bei der Initiative „Let me Live My Childhood“ (Lasst mich meine Kindheit leben) unterstützen. Dazu führt er aus: „Wir danken «Kirche in Not» für dieses Projekt, das den Kindern helfen soll, ihre ‚Erwachsenenkleider’ abzulegen, damit sie die unersetzlichen Gaben der Kindheit wieder aufnehmen können. Wir möchten, dass sie die Fähigkeit zu spielen wiederentdecken, dass sie einfach Kinder sind“. «Kirche in Not» unterstützt darüber hinaus mehrere Sommerkurse für Jugendliche, die sowohl von der katholisch-maronitischen als auch von der syrisch-orthodoxen Kirche von Aleppo veranstaltet werden. Diese Stadt hat wohl am meisten unter dem Krieg gelitten.
Getreu seinem pastoralen Charakter wird «Kirche in Not» mehr als CHF 550 000 für die Instandsetzung mehrerer Kirchen und Klöster, darunter der maronitischen und der syrisch-katholischen Kathedrale in Aleppo, sowie zur Unterstützung bei der Ausbildung von Seminaristen und zum Unterhalt von Priestern bereitstellen. Dazu Bischof Tobji: „Die Kirche ist die erste Tür, an die die Menschen klopfen“. Die Kirche könnte diese Hilfe aber „ohne die Unterstützung durch Wohltäter und kirchliche Organisationen und Hilfswerke wie «Kirche in Not»“ nicht leisten. „Die Hilfen sollen dazu dienen, das Land wiederaufzubauen und ein Leben in Würde wieder aufzunehmen“. Der maronitische Bischof von Aleppo richtet einen verzweifelten Aufruf an den Westen: „Tun Sie etwas Gutes, helfen Sie uns den Frieden zu finden“. 

Fotos:

1) Studentinnen in Aleppo (Bild: «Kirche in Not»)

2) Kinder stehen im Zentrum der Hilfe (Bild: «Kirche in Not»)

3) Wiederaufbau in Homs (Bild: «Kirche in Not»)

4) Am Pfarreizentrum in Kafar Bohom wird gebaut (Bild: «Kirche in Not»)

5) Ein gut besuchter Gottesdienst in Damaskus (Bild: «Kirche in Not»)

6) Homs – noch viele Strassenzüge sind weiterhin zerstört (Bild: «Kirche in Not»)

7) Blick vom Balkon in die zerstörte Stadt Homs(Bild: «Kirche in Not»)

«Kirche in Not» bewilligt mehr als CHF 3.5 Mio. für 40 Wiederaufbauprojekte in Syrien _6949