Märtyrer: Das Kolosseum in Rot

Die maronitische Kathedrale St. Elias im syrischen Aleppo, die Kirche St. Paul im irakischen Mossul und das Kolosseum in Rom werden sich am Abend des 24. Februar rot färben. Anlass ist der Gebetstag für die Märtyrer. Auf diese Weise wird der Fokus auf die Lebenswirklichkeit der wegen ihres Glaubens verfolgten oder diskriminierten Christen weltweit gelegt.

Kirche in Not ACN - Kolosseum in rot

Die Verfolgung betrifft nicht nur eine Handvoll Unbeugsamer, und die Erscheinung gehört beileibe nicht der Vergangenheit an… Heute ist die öffentliche Bekundung ihres Glaubens für 200 Millionen Personen eine Straftat. Und jedes Jahr werden es mehr! Unter den 25 Ländern, welche die Rangliste der religiösen Intoleranz anführen, figurieren Saudi-Arabien, Bangladesch, Afghanistan, Irak, Syrien oder auch Somalia. In diesen Staaten ist die Gefahr, wegen seines Glaubens zu sterben, Christen-Alltag. Sterben kann man nur schon aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit, für ein religiöses Symbol, das man auf sich trägt, dafür, dass man den Koran nicht auswendig kennt, oder dafür, dass man sich in einer Kirche aufhält, wenn eine Bombe explodiert…
In vielen Ländern haben die christlichen Minderheiten nicht dieselben Rechte wie ihre Mitbürger: keine Schule, keine Arbeit, kein anständiges Haus, kein Sozialleben, keine Möglichkeit, beruflich Karriere zu machen oder am politischen Leben teilzuhaben…  Und die Diskriminierung, die Intoleranz, der Hass gegenüber jenen, die sich nicht zur «richtigen» Religion bekennen, greift immer mehr um sich – und betrifft sogar Länder, in denen die Religionsfreiheit verfassungsmässig garantiert wird. Man denke nur schon an die Terrorangriffe, die Deutschland, Grossbritannien oder Frankreich erschüttert haben… Die Opfer waren alte Menschen, Familien, Kinder, die tanzten, umhergingen, die ein normales Leben in den Strassen ihrer Stadt führten. Dem Geschäftsführer von «Kirche in Not», Jan Probst, ist dieses Aufrütteln ein grosses Anliegen: „In der Schweiz findet bis heute – Gott sei Dank – ein friedliches Zusammenleben zwischen den Menschen verschiedenen Glaubens statt. Das sollte überall möglich sein und dafür engagieren wir uns!“

Staaten treten ihre eigene Verfassung mit Füssen
Diese tragischen und «religiös» motivierten Ereignisse vergiften das soziale Klima, verhärten die Fronten, schüren den Groll, säen Intoleranz und Rassismus – Zustände, die man überwunden glaubte. Es geht nicht bloss um einen Islam, der sich der Kontrolle des Staates entzogen hat; oft sind es nämlich die Staaten selber, die das Recht auf Religionsfreiheit mit Füssen treten. Es lässt sich dies in Nordkorea, in Eritrea, in Myanmar oder in Pakistan feststellen, wo doch die Verfassung den Schutz vor Diskriminierung und Verfolgung garantiert! Und jene, die auf Verfassungsebene die Rechte der Minderheiten verteidigen, bezahlen dies oft mit dem Leben, wie in Pakistan der christliche Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti.
«Kirche in Not» lädt die Menschen ein, am 24. Februar der Märtyrer zu gedenken. Auch erinnert das Hilfswerk daran, dass in der Schweiz das letzte Oktober-Wochenende insbesondere jenen gewidmet ist, die darunter leiden, ihren Glauben nicht in aller Freiheit leben zu können. Der jüngste Bericht «Religionsfreiheit weltweit» von «Kirche in Not», der alle zwei Jahre erscheint, wird im November veröffentlicht. Es handelt sich dabei um einen der anerkanntesten Berichte zu diesem Thema; der Bericht listet Situationen auf, in denen die Religionsfreiheit verletzt wird.

Fotos:

1)    Das Kolosseum in Rot, Rom, Italien (Bild: «Kirche in Not»)

2)    Paul Bhatti, der Bruder des 2011 ermorderten Ministers Shahbaz Bhatti, Pakistan (Bild: «Kirche in Not»)

3)    Frauen, die vieles zu ertragen haben, Nigeria (Bild: «Kirche in Not»)

4)    Christliche Flüchtlingsfamilie im Irak (Bild: «Kirche in Not»)

5)    Kinder in Myanmar (Bild: «Kirche in Not»)

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