Myanmar: “Das ganze Land erwartet Frieden und Versöhnung”

Papst Franziskus wird vom 27. bis zum 30. November Myanmar besuchen. Obwohl Katholiken in dem Land nur eine Minderheit von 5 Prozent unter mehr als 87 Prozent Buddhisten bilden, werden für die heilige Messe, die der Papst am 29. November im Kyaikkasan Stadion in Rangun feiern wird, 300.000 Teilnehmer aus allen 16 Diözesen des Landes erwartet. Information zu Myanmar im Bericht Religionsfreiheit

Kirche in Not ACN Myanmar

Auch unter Nichtchristen sind die Erwartungen an den Papstbesuch hoch. Das internationale katholische Hilfswerk «Kirche in Not (ACN)» hat mit Bischof John Hsane Hgyi von Pathein über die Bedeutung des Papstbesuches für das im Umbruch befindliche Land gesprochen, das bis 2011 einer Militärregierung unterstand.

«Kirche in Not (ACN)»: Wie würden Sie die gegenwärtige Situation der christlichen Minderheit in Myanmar beschreiben?

Bischof John Hsane Hgyi: In Myanmar machen die Christen etwa 5 Prozent der 51 Millionen zählenden Gesamtbevölkerung aus. Sie bilden nur eine kleine Minderheit unter der Mehrheit der Theravada Buddhisten. Obwohl die Anzahl der Christen prozentual sehr gering ist, ist die christliche Präsenz in Myanmar dynamisch, mit soliden Strukturen und Institutionen.

 

«Kirche in Not (ACN)»: Was bedeutet das für die Katholische Kirche im Einzelnen?

Die katholische Kirche in Myanmar besteht aus 16 Diözesen, die auf die 14 Staaten und Regionen des Landes verteilt sind. Sie ist unter allen acht grossen ethnischen Gruppen des Landes vertreten. Die Ankunft des Christentums begann mit der Entdeckung der „Neuen Welt“ durch europäische Abenteurer im 16. Jahrhundert. Die gut organisierte Missionierung begann erst im 18. Jahrhundert. Später unter der Militärdiktatur, die von 1962 bis 2010 andauerte, erlitt die Kirche in Myanmar schere Repressionen. Obgleich die Kirche mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, wächst sie und zählt zurzeit rund 700.000 Gläubige.

«Kirche in Not (ACN)»: Welche Erwartungen oder welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Besuch von Papst Franziskus?
Der Apostolische Besuch von Papst Franziskus in Myanmar ist ein sehr bedeutungsvolles und freudiges Ereignis; es ist ein historischer Besuch, der erste Besuch des Nachfolgers Petri in diesem Land überhaupt. Nicht nur die Katholische Kirche, sondern die ganze Nation ist überrascht und freudig erregt. Das Motto des Papstbesuchs lautet Liebe und Frieden! Alle erwarten Frieden und Versöhnung in diesem Land, das sich in der Übergangszeit zur Demokratisierung befindet und dabei ist, eine neue Nation in Myanmar aufzubauen. Der Besuch von Papst Franziskus wird grossn Einfluss auf den Friedensprozess haben, der von der Regierung, den religiösen Führern und den Organisationen der Zivilgesellschaft gestartet wurde. 

«Kirche in Not (ACN)»: Ist der Papstbesuch ein Thema in den Medien?
Seit der offiziellen Ankündigung in der letzten Augustwoche ist der Besuch von Papst Franziskus in den lokalen Medien zu einem beliebten Thema geworden. Alle Details der geplanten Aktivitäten werden in den Medien veröffentlicht, auch von Radio Veritas Asia Myanmar Services, sowohl im Radio als auch im Internet.

«Kirche in Not (ACN)»: Könnten Sie uns eine schöne Geschichte darüber erzählen, wie die Ankündigung des Besuchs von Papst Franziskus von den Katholiken aufgenommen wurde?
Für den Papstbesuch in Myanmar wurden in der Diözese Pathein Gebetskarten zur Verteilung vorbereitet. An dem Tag, an dem der Besuch von Papst Franziskus offiziell angekündigt wurde, gab es sie in allen Pfarreien, Ordenshäusern und dem Ausbildungshaus der Diözese Pathein. Alle fingen an, mit grosser innerer Bewegung zu beten, sowohl einzeln als auch in der Gemeinschaft.

«Kirche in Not (ACN)»: Welchen Beitrag kann die Katholische Kirche zur friedlichen Entwicklung Myanmars leisten?
Das Motto des Papstbesuchs ist Liebe und Frieden in Myanmar. „Frieden ist möglich und Frieden ist der einzige Weg“ wurde zum Wahlspruch der Kirche in Myanmar für die interreligiöse Konferenz, die im April 2017 in Rangun stattfand. Die Katholische Kirche in Myanmar ist aufgefordert, eine führende Rolle in dem Prozess der Bildung der Nation und der nationalen Versöhnung zu übernehmen. Der Papstbesuch wird die Rolle der Katholischen Kirche in Myanmar für die friedliche Entwicklung des Landes hervorheben.  

«Kirche in Not (ACN)»: Was sind die grössten pastoralen Herausforderungen für die Katholische Kirche Ihres Landes?
Die Mehrheit unserer katholischen Gläubigen lebt in ländlichen und entlegenen Gebieten, da die meisten Menschen in Myanmar nicht in Städten leben. Es gibt noch immer Katholiken in schwer erreichbaren abgelegenen Regionen, denen geeignete Transportmittel fehlen. Viele jüngere Kinder verlassen die Schule und es fehlt ihnen der Zugang zu guter Bildung. Aus diesem Grund gibt es Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung, was zu Migration und zum Menschenhandel geführt hat. Die Entwicklung der ländlichen Gebiete muss mit gemeinsamen Anstrengungen angegangen werden. Glaubensunterweisung und ernsthafte Seelsorge für die Katholiken können schwierig sein. In einigen Gebieten gibt es noch immer ungelöste bewaffnete Konflikte, und unter diesen Umständen Seelsorge anzubieten ist immer eine Herausforderung.

Im vergangenen Jahr hat «Kirche in Not (ACN)» in Myanmar Projekte mit einem Gesamtbetrag von mehr als CHF 1,3 Millionen unterstützt. Gefördert wurden vor allem kirchliche Bauten, die Anschaffung von Fahrzeugen für die Seelsorge, die Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Laien und Projekte zur Vertiefung des Glaubens. 

Fotos:

  • Bischof John Hsane Hgyi von Pathein, Myanmar, ganz links (Bild: «Kirche in Not»)
  • Gläubige in der Kathedrale in Banmaw, Myanmar (Bild: «Kirche in Not»)
  • Maria Himmelfahrt, eine Prozession in der Gegend um Tharbaung, Myanmar (Bild: «Kirche in Not»)
  • Die Kathedrale von Banmaw, Myanmar (Bild: «Kirche in Not»)
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