Nepal: Die winzige katholische Gemeinde ist nach dem unerwarteten Angriff auf die Kathedrale der Himmelfahrt unruhig und verängstigt

Am 18. April wurde das Pfarrhaus der Mariä-Himmelfahrts- Kathedrale  des apostolischen Vikariats von Nepal, die am Rande der Hauptstadt Kathmandu liegt, durch einen Brandanschlag beschädigt. Dabei wurde niemand verletzt, es entstand aber ein materieller Schaden. Dennoch habe der Angriff, so Generalvikar Pater Silas Bogati, „die winzige katholische Gemeinde geschädigt und in Angst versetzt. Wir vertrauen auf Gott, aber was geschehen ist, mahnt zur Vorsicht.“ Der Angriff hat in einer sehr heiklen politischen Lage des Landes, das sich auf die bevorstehenden Kommunalwahlen am 14. Mai vorbereitet, stattgefunden.  Es sind die ersten Kommunalwahlen in Nepal seit 20 Jahren, auf die voraussichtlich die Parlamentswahlen im Januar 2018 folgen werden.   


Der Anschlag fand am 18. April um 3 Uhr morgens statt. In einem Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk Aid to the Church in Need (ACN), beschreibt Pater Silas, wie mindestens drei Personen in den Hof eindrangen und dort zwei Motorräder und ein Auto mit Benzin in Brand setzten. Gleichzeitig übergossen sie die Wände und die Tür der Kirche mit Benzin. Dadurch entstanden schwere Schäden. Im Inneren des Pfarrhauses hielten sich zu dieser Zeit 10 Personen auf. „Gott sei Dank sind die Fahrzeuge, die sie in Brand gesetzt haben, nicht explodiert, während die Leute evakuiert wurden. Es hätte tragisch enden können. Das Gebäude wurde durch das Feuer weitgehend beschädigt, aber es wurde niemand verletzt.“

Über die Motiven des Angriffs und die Tätern befragt, war Pater Silas sehr vorsichtig: „Wir wissen bis jetzt weder wer dahintersteckt noch welche Motive sie für den Angriff hatten. Die Polizei untersucht den Fall und versucht die drei Personen, die von den Überwachungskameras zur Zeit des Angriffs aufgenommen wurden, zu identifizieren. Bis jetzt ist alles nur Spekulation.“ Der nepalesische Priester räumt jedoch ein „von Zeit zu Zeit werden wir Katholiken hier diskriminiert, und obwohl wir nepalesische Bürger sind, werden wir wie Ausländer behandelt, nur weil wir Christen sind. Leider gibt es in einigen Bereichen der Gesellschaft feindselige Gefühle gegenüber den christlichen Gemeinschaften.“ Dennoch betont er: „Im allgemeinen kommen sehr gut mit unseren Nachbarn aus und die meisten von ihnen sind sehr offen und rücksichtsvoll uns gegenüber. Sie waren die ersten, die uns geholfen und die Polizei gerufen haben. Diejenigen, die sich anders verhalten, sind in der Minderheit.“ 

Es ist nicht das erste Mal, dass die winzige katholische Gemeinde in Nepal Opfer von Angriffen wurde. Im Mai 2009 explodierte eine Bombe in der Kathedrale, als Pater Silas eine Heilige Messe zelebrierte. Es gab drei Tote und über ein Dutzend Verletzte. „Es war der traurigste Moment in meinem Leben. Wir hätten niemals geglaubt, dass irgendjemand einen heiligen Ort des Gebets angreifen könnte. Nach diesem Vorfall war ich stark traumatisiert.“  Die Verantwortung für den Angriff übernahm eine hinduistisch fundamentalistische Gruppe, die sich Nepal-Verteidigungsarmee nannte. 

 „Seit dem Vorfall im Jahr 2009 war es mehrere Jahre friedlich. Aber der jüngste Angriff ist ein Aufruf zur Wachsamkeit. Natürlich kommt letztendlich die endgültige Sicherheit von Gott, aber wir müssen die Sicherheitsvorkehrungen und den Schutz unserer Gemeinschaft verbessern“, erzählt der Generalvikar ACN bei einem Telefonat.

Die Katholische Kirche in Nepal ist eine kleine Minderheit, sie ist aber sehr engagiert im sozialen Bereich und in der Entwicklungshilfe, erklärt Pater Silas. „Gerade in den letzten Tagen haben wir der Opfer des heftigen Erbebens, das uns vor genau zwei Jahren, am 25. April 2015, mit einer Stärke von 7,8 traf, gedacht und für sie gebetet. Die Katholische Kirche engagiert sich für ein großes Wiederaufbauprojekt in der Umgebung mit dem Wiederaufbau von 5000 Häusern der Betroffenen, der Versorgung mit sauberem Trinkwasser und anderen Nachbarschafts-Entwicklungsprogrammen für Einheimische. Viele Menschen profitieren von dieser Hilfe ohne Rücksicht auf ihre Religionszugehörigkeit. Wir haben die Absicht diese Hilfe fortzusetzen, weil es unsere Berufung, ist den Bedürftigsten zu helfen, so wie wir heute den Opfern des Erdbebens helfen.“

Laut dem Religious Freedom Report Worldwide, der im vergangenen November von ACN veröffentlicht wurde, gibt es rund 8000 Gläubige Katholiken innerhalb des apostolischen Vikariats von Nepal. Die protestantischen Gemeinden, allen voraus die evangelikalen Gemeinden und Pfingstkirchen, sind im Land sehr präsent.

Wie in dem oben genannten Religious Freedom Report beschrieben, hat die sehr junge demokratische Bundesrepublik – ehemals ein hinduistisches Königreich – im Jahr 2007 den Charakter eines säkularen Staates angenommen, ein Jahr nach Abschaffung der Monarchie und nach einem Jahrzehnt des Krieges zwischen den Regierungsarmeen und den maoistischen Guerillas. Derzeit ist der Druck der hinduistischen Parteien sehr stark, was eine Tatsache darstellt, die es zusätzlich zu den viele anderen Schwierigkeiten h (vor allem in Bezug auf die Errichtung der Binnengrenzen der sieben Provinzen) den Mitgliedern der konstituierenden Versammlung fast unmöglich gemacht hat, eine Einigung zu erzielen.  Im August 2015, nach dem Erdbeben am 25. April des selben Jahres und unter dem Druck der Bevölkerung, kamen die großen politischen Parteien im Parlament schließlich zu einer Einigung, die von vielen Nepalesen als „historisch“ angesehen wird. Am 16. September verabschiedete die konstituierende Versammlung die Verfassung und schloss damit einen mühsamen und heiklen Prozess ab, der acht Jahre gedauert hat. Der neue Inhalt der Verfassung bestätigt den säkularen Charakter der nepalesischen Institutionen, während er gleichzeitig die religiösen Freiheiten stark einschränkt.

Die Wahlen am 14. Mai werden ein entscheidender Schritt bei der Errichtung der neuen republikanischen Institutionen, die im Rahmen der Verfassung vorgesehen sind, sein. Und so bittet Pater Silas die internationale Gemeinschaft und die Mitglieder von ACN darum „für die Katholiken und gleichzeitig für das ganze Land, zu beten, damit der politische Prozess der nächsten Wochen friedlich verläuft und dem Land die lang erwünschte Stabilität bringt. 

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