Türkische Offensive in Nordsyrien: Christen bitten verzweifelt um Hilfe

Kurz nach dem Beginn der Angriffe auf Nordsyrien richten Christen aus Afrin einen  dringenden Hilferuf an die Öffentlichkeit: “Wir, die Kirche des Guten Hirten (Church of the Good Shepherd) in Afrin bitten sofort um internationale Unterstützung für unsere Gläubigen in der Stadt,” heisst es in einem Appell, der dem internationalen Hilfswerk «Kirche in Not» vorliegt. „Wir flehen darum, dass diese Bombardierungen von türkischen Truppen sofort gestoppt werden.“

Kirche in Not ACN Syrien

Die Nachricht kam von der lokalen evangelikalen Gemeinschaft während der Kampfhandlungen, die am letzten Wochenende im Norden Syriens begannen. „Wir werden ernsthaft angegriffen,“ lautet die verzweifelte Botschaft der christlichen Vertreter aus Afrin mit rund 250 Familien. Afrin gehört zum Aleppo Gouvernement. Dort leben insgesamt über 30.000 Christen.

Dieser Appell macht zudem klar, dass die christliche Minderheit von zwei Seiten unter Beschuss ist: Seit Tagen ist sie Opfer der heftigen türkischen Attacken und zugleich von islamistischen Truppen, die in die Zone um Afrin ebenfalls vordringen.

Auch im Süden des Landes, in Damaskus, gab es am Montag wieder Angriffe auf christliche Viertel, wie Partner vor Ort «Kirche in Not» berichten. Mehrere Personen seien dabei verletzt und mindestens eine getötet worden. Unter diesen Opfern seien vor allem jüngere Personen, darunter eine Studentin. Zusätzlich kam aus dem maronitischen Erzbistum von Damaskus die Nachricht von 24 Opfern. Sieben von ihnen seien Kinder, die beim Eintritt in die Schule getroffen wurden. In der Kurzmitteilung ist die Rede von Angst und Beklommenheit sowie ein Aufruf zu neuen Friedensgebeten für den 25. Januar, den Tag der Bekehrung des Heiligen Paulus und zugleich ein Schlüsseldatum in der Woche für die Einheit der Kirchen.

Im vergangenen Herbst hatte sich die Sicherheitslage in diesem Teil Syriens normalisiert, und die Wiederaufnahme des Bildungsbetriebs zugelassen. Das internationale Hilfswerk «Kirche in Not» hat für Syrien 2017 insgesamt CHF 5.4 Mio. Nothilfe aufgewendet.

Fotos: Fotos aus Aleppo – Wiederaufbau und Zerstörung  (Bilder: «Kirche in Not»)

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