Was hat der Krieg in Syrien gebracht? Nur Leiden und Tränen – Die Syrer wollen den Frieden!

«Kirche in Not» unterstützt mit Lebenshilfen und durch die Ortskirche notleidende Familien seit dem Beginn des Krieges in Syrien. In diesem Monat hat das Hilfswerk angekündigt, dass es mehr als CHF 16 000 als Gesundheitshilfe für 2 200 christliche Familien in Aleppo sowie CHF 66 000 für ein Programm zur Milchverteilung an die Kinder Aleppos zur Verfügung stellen wird.

Kirche in Not ACN

Eine Frau weint. Bedeckt mit einem Schleier, auf dem auf Arabisch „Syrien“ steht, vergiesst die Schwangere Tränen über ihren Schoss. Darin sind zwei Kinder zu sehen, die gegeneinander kämpfen. Die Mutter hält ein Messer in ihren Händen und droht ihrem eigenen Nachwuchs mit dem Tod. Diese ist eine von Hunderten Zeichnungen, die das internationale Hilfswerk «Kirche in Not» aus Aleppo und anderen syrischen Städten erhalten hat. Die Zeichnungen syrischer Kinder sprechen von Bombenangriffen, Tod, Tränen, von zerstörten Häusern. Sie enthüllen das tiefe Leiden der letzten sechs Jahre. Auf einer anderen Zeichnung weint ein Mann, der einen Koffer in der Hand hält. Seine Frau verabschiedet sich von ihm mit Tränen in den Augen. Die Frau trägt ein rosarotes Kleid mit Herzen.

Sinnloser Konflikt

„Vor dem Krieg genoss Syrien im Nahen Osten allgemeine Anerkennung. Das Erziehungs- und Gesundheitswesen waren kostenfrei. Homs entwickelte sich sehr gut. Die Menschen verdienten gut, Lebensmittel waren nicht teuer. Viele konnten sich ein Auto oder ein eigenes Haus leisten. Ich studierte Zahnmedizin, und wollte in meinem Viertel eine Praxis eröffnen“, erzählt Majd J. Sie arbeitet als Freiwillige bei einem Projekt von «Kirche in Not» mit, das in Not geratene Familien in Homs unterstützt. Der jungen Syrerin leuchten die Augen, während sie in einem Wintermantel eingehüllt sitzt. Denn die Häuser verfügen über keine Heizung. Die Fensterscheiben sind eingeschlagen, viele Häuser weisen noch von den Raketen verursachte Löcher auf. Sie erzählt, dass eine Familie einen Sohn verloren hat, weil keine Arzneimittel vorhanden waren. Einem weiteren Sohn wurde kürzlich Krebs diagnostiziert. Eine andere Familie hat den Vater verloren. Er erlitt einen Herzinfarkt aufgrund des Stresses und der Leiden der letzten Jahre. Mit Tränen in den Augen schaut sie fest. Sehr langsam sagt sie: „Ich verstehe nichts an diesem Konflikt. Nichts.“

Ein Land in Trümmern

Viele Kilometer von Homs entfernt, in der Region Zahle im Libanon, haben viele Syrer Zuflucht gefunden. Eine Familie erklärt: „Wir sind vom Regen in die Traufe gekommen. Mit Assad hatten wir Probleme. Was aber später als Islamischer Staat über uns hereinbrach, war einfach unmenschlich. In Rakka durften wir auf der Strasse nicht rauchen. Sechsjährige Mädchen mussten Schleier tragen, wenn sie auf die Strasse wollten. Wir lebten täglich in einem Zustand des Terrors.“
Auch in der Fastenbotschaft des maronitischen Erzbischofs von Damaskus Samir Nassar ist Schmerz zu spüren. In dem Seelsorgeschreiben fasst er die letzten Jahre des Krieges im Land zusammen: „In sechs Jahren hat sich das Angesicht von Syrien völlig verändert… Ein riesiges Ödland von Ruinen, zu Staub gewordenen Gebäuden, ausgebrannten Wohnhäusern, Geisterstädten, Dörfern, die dem Erdboden gleichgemacht  wurden…Und mehr als 12 Millionen Syrer (die Hälfte der Bevölkerung) haben kein Dach über dem Kopf… Sie bilden die grösste Zahl an Flüchtlingen seit dem Zweiten Weltkrieg. Mehrere Millionen haben das Land auf der Suche nach einer freundlicheren Umgebung verlassen. Mehrere Millionen Menschen haben das Land auf der Suche nach einer freundlicheren Umgebung verlassen. Viele sind abhängig von Almosen in elenden Lagern, viele sind ertrunken und viele stehen in langen Schlangen vor Botschaften. Sie wurden zu Nomaden auf der Suche nach einem Land, das sie willkommen heisst. Wie kann Syrien sich aus dieser Qual befreien?“

Seit 6 Jahren hilft «Kirche in Not»

Syrien leidet weiterhin unter den Folgen der kriegerischen Auseinandersetzung. Obwohl seit dem Ende der Schlacht um Aleppo die Medien verstummt sind, ist die Lage in der Stadt nach wie vor kritisch. „In Aleppo gibt es kaum Strom. Manchmal verfügen wir lediglich eine oder zwei Stunden am Tag über elektrisches Licht. Manchmal nicht einmal das. Deshalb müssen wir auf Kerzen zurückgreifen. Wir haben Probleme mit dem Treibstoff, weil die Regierung es nicht schafft, ihn zu verteilen“, sagt Schwester Annie, ein syrische Ordensschwester, die mit Unterstützung der internationalen Stiftung «Kirche in Not» in Aleppo hunderten Familien hilft. „In Aleppo leiden wir auch unter Wassermangel. Wir leben in einer Stadt ohne Wasser. Manchmal haben wir anderthalb Monate keins mehr.“
Ein gelber Bus fährt auf einem von Bäumen gesäumten Weg. Zu sehen sind die Fahrgäste und der Busfahrer. Oben, in der rechten Ecke, wo Kinder in aller Regel eine Sonne malen, taucht fast unsichtbar eine schwarze Rakete in der Form einer Mörsergranate mit Feuerschweif auf. Unter den vielen Zeichnungen mit Kriegsszenen, mit Kampf, Feuer und Tod sind aber auch noch andere: Zeichnungen mit Blumen, die aus einem Revolver herausschauen, oder Friedenstauben auf der Landkarte Syriens, Kinder Hand in Hand um den ganzen Globus, ein Mädchen, das ihren Schulabschluss feiert ... Gemalt wurden sie von Kindern, die nicht das, was sie erlebten, gemalt haben, sondern was sie sich sehnlich wünschen: ein Syrien in Frieden und Einheit, die Rückkehr in die Heimat.

Bilder: Impressionen aus Syrien (Bilder: «Kirche in Not»)

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