Werenfried Village – Neue Hoffnung und neue Häuser für vertriebene Christen

Über unseren Köpfen bringt ein Kran seine Fracht vorsichtig in die richtige Position. Der letzte einer Reihe von Wohncontainern wird sicher an einem Ort abgestellt, der jetzt den stolzen Namen ‚Werenfried Village‘ trägt. Mitarbeiter des katholischen Hilfswerks Kirche in Not überzeugten sich vor Ort in Ankawa, vor den Toren der kurdischen Hauptstadt Erbil,  wie die Arbeit an dem neuen Wohnkomplex für 200 Familien voranschreitet. Hier entstehen Unterkünfte für 1000 Menschen, die verzweifelt auf ein neues Leben ohne die durch die Vertreibung verursachten Entbehrungen hoffen. Jede Familie erhält einen der unterschiedlich großen Container für sich. 150 Wohncontainer werden im Rahmen eines Nothilfeprogramms angesichts der sich verschlimmernden Krise in Nordirak von Kirche in Not finanziert.


Die Zeit drängt für die Familien, die dringend ein sicheres Dach über dem Kopf brauchen. Seit ihrer Vertreibung aus den alten christlichen Gemeinden in Mossul und der Ninive-Ebene leben sie in Zeltlagern. Die Familie Matti ist eine von ihnen. Wir trafen sie in Ankawa, in der Kirche St. Elia. Ihr Zelt ist eines von vielen, die sich auf dem Gelände drängen. „Wir wollen einfach nur nach Hause“, sagte Khalid Matti, Vater von acht Kindern – zwei Jungen und sechs Mädchen.

Angesichts der schwindenden Hoffnung auf eine rasche Heimkehr in die christliche Stadt Karakosh, aus der sie am 7. August geflohen waren, ist eine weniger provisorische Unterbringung absolute Priorität. Umso mehr, als der Wintereinbruch mit heftigen Regenfällen und stark sinkenden Temperaturen immer näher rückt und die Zeltstadt in einen kalten und schlammigen Sumpf zu verwandeln droht. Khalid zeigt auf seinen kleinen Jungen, den zwölf Monate alten Awas, und fragt sich laut, ob sein jüngster Sohn Karakosh jemals sehen wird, die Stadt, die seine Familie seit Generationen kennt und liebt.

In Werenfried Village haben sie mit ihren Wohncontainern zumindest eine sichere und warme Unterkunft und können den Winter geschützt vor der ärgsten Kälte überstehen. Die Wohncontainer bieten Strom und fließendes Wasser, und es gibt ordentliche Toilettenanlagen. Das Containerdorf ist so angelegt, dass die Familien im Freien auf Gasherden kochen können. Die Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Wasser ist auch weiterhin sichergestellt – ebenfalls durch die Hilfe von Organisationen wie Kirche in Not.

Das  Leben in Werenfried Village mag zwar nicht der Himmel auf Erden sein, aber zumindest finden Familien, die vor dem Nichts stehen, hier ein Zuhause. Beim Abschied sagte Khalid Matti: „Bitte beten Sie für uns. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind und sich Zeit für uns genommen haben.“ Kirche in Not zeigt Mitgefühl, nimmt sich Zeit und unterstützt Werenfried Village. Das Dorf gibt Menschen wie dem kleinen Awas, dessen Name „engelhaft“ bedeutet, wieder Hoffnung. Ihm helfen die barmherzigen Engel, die Wohltäter von Kirche in Not.

Kirche in Not hat 12 Nothilfe-Pakete für den Irak zugesagt, um den tausenden vertriebenen irakischen Christen zu helfen. Im Rahmen eines konzertierten Nothilfe-Programms, das angesichts des nahenden Winteranfangs beschleunigt durchgeführt wird, sollen sie Lebensmittel, Unterkünfte, Schulunterricht und Geschenke für die Kinder erhalten. Das von Kirche in Not angekündigte Hilfsprogramm in Höhe von 4 Millionen Euro – eines der umfangreichsten in der 67-jährigen Geschichte des Hilfswerks – sieht außerdem seelsorgerische Unterstützung für die Geistlichen und Ordensschwestern vor, die ebenfalls wegen der über das Land hinwegfegenden Krise fliehen mussten.

 

 

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