Slowenien


Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Nach der Abspaltung des Landes von der Bundesrepublik Jugoslawien wurden 1991 in der Verfassung des neuen unabhängigen Sloweniens die Religionsfreiheit und die Trennung von Kirche und Staat verankert.

2007 verabschiedete das slowenische Parlament ein neues Gesetz zur Religionsfreiheit.[1] Dieses legt in Paragraf 4 die Neutralität des Staates bei religiösen Angelegenheiten fest. Paragraf 5 definiert Kirchen und Religionsgemeinschaften als „gemeinnützige Organisationen“. Zusätzliche Möglichkeiten zur staatlichen Finanzierung von Religionsgemeinschaften sind in Paragraf 29 vorgesehen. Damit sich Religionsgemeinschaften staatlich eintragen lassen können, müssen sie mindestens 10 Jahre in Slowenien tätig sein und dürfen nicht weniger als 100 Mitglieder haben.

Laut dem Amt für Religionsgemeinschaften[2] gibt es 43 eingetragene Religionsgemeinschaften in Slowenien, darunter die Römisch-Katholische Kirche, die Lutherische Kirche, die Jüdische Gemeinschaft Sloweniens, die Union der Baptistengemeinden, die Serbisch-Orthodoxe Kirche, die Islamische Religionsgemeinschaft, die Pfingstbewegung, die Adventisten, die Zeugen Jehovahs, die Neuapostolische Kirche, die Freikirche, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die Vereinigungskirche, die Nationale Bahai-Gemeinde, die Reformierte Christliche Kirche, die Mazedonisch-Orthodoxe Gemeinde des Heiligen Kliment von Ohrid, die Buddha-Dharma-Gemeinschaft, die Scientologen und die Hinduistische Religionsgemeinschaft.

Mehr als 75 % der eingetragenen Religionsgemeinschaften sind sogenannte Neue Religiöse Bewegungen (NRB). Darüber hinaus gibt es zahlreiche NRB, die offiziell nicht als Religionsgemeinschaften, sondern als Vereine eingetragen sind. Laut Recherchen gibt es zwischen 70 und 100 dieser neuen religiösen und geistlichen Bewegungen im Land.[3]

Religionsgemeinschaften können jegliche Form von Bildungseinrichtungen und Schulen gründen. Die staatlichen Schulen Sloweniens erteilen keinen Religionsunterricht. Allerdings wird das Unterrichtsfach Religion und Ethik an Grundschulen eingeführt, um den Schulkindern Wissen über die wichtigen Weltreligionen zu vermitteln.

Nur eine höhere Bildungsanstalt in Slowenien wird von einer Glaubensgemeinschaft betrieben, nämlich die Theologische Fakultät der Römisch-Katholischen Kirche, die Teil der Universität von Ljubljana ist.

Das staatliche Fernsehen hat einen redaktionellen Beirat, der sich mit religiösen Themen bei der Programmgestaltung auseinandersetzt. Die Religionsgemeinschaften in Slowenien stellen jeweils einen Vertreter für den staatlichen Rundfunk- und Fernsehrat.

Die Römisch-Katholische Kirche ist mit einem Anteil von rund 75 % an der Bevölkerung Sloweniens die mit Abstand grösste Glaubensgemeinschaft im Land. In Slowenien gibt es sechs Diözesen, darunter zwei Erzdiözesen, in Maribor und in Ljubljana, der Hauptstadt. Die slowenische Bischofskonferenz wurde 1993 ins Leben gerufen. Im Jahr 2001 unterzeichnete Slowenien einen Vertrag mit dem Heiligen Stuhl, in dem bestimmte Angelegenheiten zwischen dem Staat und der Katholischen Kirche geregelt sind.[4] Derzeit gibt es 785 Gemeinden im Land, denen zirka 1.050 Priester und elf Bischöfe vorstehen.[5] Mehr als 2.900 Kirchen und Kapellen sind in kirchlicher Hand. Die Gebäude in Kirchenbesitz haben einen Anteil von 80 % an den denkmalgeschützten Bauten des Landes. Bei ungefähr 99 % der 1.191 Anträge der Katholischen Kirche, mit denen eine Entstaatlichung des nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlichten Grundvermögens gefordert wird, hat die Regierung entschieden.

Laut Bericht der Katholischen Kirche in Slowenien aus dem Jahr 2015 geht die Zahl der Katholiken im Land zurück. Dies spiegelt sich auch in der rückläufigen Anzahl an Priestern und kirchlichen Trauungen wider. Unter den sonstigen Religionsgemeinschaften haben die orthodoxe Gemeinschaft (mit 46.000 Anhängern) und die muslimische Gemeinschaft (mit 47.500 Anhängern) Gemeinschaft den grössten Anteil. Die Ortho­doxe Kirche besteht vorwiegend aus Serben, zu der muslimischen Gemeinschaft gehören vor allem Bosnier und Kosovo-Albaner.

Die landesweit erste islamische Bildungseinrichtung wurde 2013 eröffnet. Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um den Bau einer Moschee in Ljubljana erfolgte der feierliche erste Spatenstich im Jahr 2013. Die Moschee mit Islamzentrum soll Ende 2017 fertiggestellt werden. Die Kosten für den Bau werden auf etwa 35 Millionen Euro (38 Millionen Schweizer Franken) geschätzt. 80 % der dafür gespendeten Gelder kommen aus Saudi-Arabien und Katar. Im Februar 2016 warfen jedoch Unbekannte Schweineköpfe auf die Baustelle des Islamzentrums. Die Polizei hatte schon im Vormonat in einem ähnlichen Fall ermittelt. Dieser zweite Fall gilt im Sinne von Artikel 297 des Strafgesetzbuchs als Straftatbestand der Hasskriminalität, Gewalt und Intoleranz. In Slowenien leben 16.000 Protestanten verschiedener Konfessionen. Die grösste Konfession ist die Evangelisch-Christliche Kirche mit 14.700 Anhängern, die in Ostslowenien stark vertreten ist. Ihre Ursprünge gehen auf die Reformation im 16. Jahrhundert zurück.

Die World Jewish Restitution Organisation (Jüdische Weltorganisation für Restitutionsfragen) verhandelt weiterhin mit der Regierung über einige noch offene Restitutionsansprüche. Die Zahl der jüdischen Einwohner in Slowenien wird auf 400 geschätzt. Dazu zählen sowohl sephardische als auch aschkenasische Juden.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Hinsichtlich der Religionsfreiheit hat das heutige Slowenien eine relativ pluralistische Haltung. Während Neue Religiöse Bewegungen eher Randgruppierungen darstellen, gibt es wohl kaum Fälle von Verstössen gegen die Religionsfreiheit. Allerdings heisst dies nicht, dass das religiöse Klima in Slowenien völlig spannungsfrei ist.

Die Religiosität junger Menschen ist in Slowenien stark zurückgegangen. Nur ungefähr ein Drittel der Katholiken bekennen sich zu den grundlegenden christlichen Glaubenslehren. Auch empfangen immer weniger Menschen die Sakramente, wie z. B. Kommunion, Firmung und Eheschliessung. Zahlreiche Katholiken zeigen Interesse an New-Age-Bewegungen, darunter auch verschiedene führende Kirchenmitglieder und andere einflussreiche Persönlichkeiten. Heutzutage bedeutet Religion für slowenische Katholiken mehr eine „Zugehörigkeit als einen Glauben“ und spiegelt damit diesen in ganz Europa vorherrschenden Gedanken in gesteigerter Form wider. Die Kirche macht für diese Entwicklung die veränderten Lebensgewohnheiten und die zunehmende Säkularisierung verantwortlich.



[1] Das Gesetz über die Religionsfreiheit (Amtsblatt der Republik Slowenien, Nr. 14/07)

[2] Register für Kirchen und andere Religionsgemeinschaften in der Republik Slowenien (Amt für Religionsgemeinschaften)

[3] Aleš Črnič und Lesjak, 2006

[4] Die Staatsversammlung der Republik Slowenien ratifizierte den Vertrag über rechtliche Angelegenheiten zwischen dem slowenischen Staat und dem Heiligen Stuhl am 28. Januar 2004 (Amtsblatt der Republik Slowenien; MP, 4/04).

[5] Bericht der Katholischen Kirche in Slowenien aus dem Jahr 2015