Einleitung in die Novene für die Zentralafrikanische Republik

„Die Brüderlichkeit ist das Fundament und der Weg des Friedens.“ Botschaft von Papst Franziskus zur Feier des XLVII. Weltfriedenstags  (Der 17. Dezember ist der Geburtstag des Heiligen Vaters. Das Gebet für den Frieden könnte ein wunderbares Geschenk an Papst Franziskus sein.) Novene zum Friedensfürsten um Frieden in der Zentralafrikanischen Republik Kirche in Not 17. – 25. Dezember 2013 Komm bald, o Herr. Komm, Erlöser! GIB UNS DEN FRIEDEN!  


Die kurzen Gebete der Tage 17. bis 23. - die fünf ersten Tage dieser Novene - entstammen der Liturgie dieser Tage und bestehen aus den bekannten und sehr alten Advents-Antiphonen: einem Ruf voller Sehnsucht nach dem Retter aller Völker und Nationen, Erlöser aus Unterdrückung und Sklaverei, aus Hass und Tod, der durch Generationen hindurch erwartet wurde und der Überbringer der wahren Freiheit und des Friedens ist. Wir teilen auch einige der großen Zeugnisse des Leidens und des Glaubens, die wir in den letzten Tagen aus der Zentralafrikanischen Republik erhalten haben. Zuletzt legen wir unsere Bitte und unseren Schrei nach FRIEDEN in die Hände unser Mutter Maria, die unsere Hoffnung und unsere Zuflucht ist. Wir beten voller Zuversicht darum, dass sie diese Bitte – die unsrige und die aller unserer Schwestern und Brüder in der Zentralafrikanischen Republik - nicht überhören wird, und sprechen dazu das "Memorare" („Gedenke, gütigste Jungfrau“).

Einführung in die Novene für den Frieden in Zentralafrika

Diese Einführung ist eine Hommage an die Priester, Ordensfrauen und -männer sowie an die vielen Laien, die in diesen Tagen vor allem in Bangui in Pfarreien Hunderttausende Menschen aufgenommen haben, um sie zu beschützen, zu verpflegen, um ihnen zu helfen, mit ihnen zu trauern und zu beten, um Frieden und Hoffnung zu säen.

Donnerstag, 5. Dezember. Ein Tag ohne Frieden in Bangui, der Hauptstadt. Ich würde sagen, es war fast ein apokalyptischer Tag mit Dutzenden Toten. Ich habe einige dieser „Kollateralschäden“ gesehen, die mitten auf einer Allee auf groteske Art zusammengebrochen waren. Wo hatte sich der Friede in diesem Land versteckt? Über dieses Land mit viereinhalb Millionen Einwohnern bricht der Abend herein. Weihnachten naht. Wird es eine Weihnacht mit Krippen, mit Weihnachtsliedern sein, oder eher mit Herodes, mit Macheten und der Präsidentengarde? An diesem Tag stand ich auf dem Rasen des Priesterseminars von Bangui und beobachtete die 5 000 Menschen, die auf der Wiese, der Veranda und dem Fußballplatz zusammengepfercht waren. Sie sind sogar in der Kirche untergekommen. Es kamen ganze Familien, Frauen mit riesigen Bündeln auf dem Kopf, junge Schwangere mit auf dem Rücken gebundenen Kindern, Gruppen von kleinen Kindern mit Bündeln als Gepäck. Ihr Herz strömte Adrenalin aus, es war von der Angst eingeschnürt. Angst ist das Gegenteil von Frieden. Zusammen mit Misstrauen und Argwohn ist diese Angst eine Saat des Hasses, der wiederum auch das Gegenteil vom Frieden ist. Ich kam zu einer Frau, die weinte und dabei langsam die Rosenkranzperlen durch ihre Finger gleiten ließ. Zusammen mit ihrem Mann Jean Bosco ist sie für die 40 Kinder und Jugendlichen aus dem Waisenheim Sankt Paulus verantwortlich, drei Steinwürfe von hier entfernt. Sie dachte an ihr leer stehendes Haus mit all ihrer Habe, das heute Nacht geplündert werden könnte. Mit den Rosenkranzperlen aus phosphoreszierendem Kunststoff wollte sie eine mögliche Verletzung ihrer Privatsphäre stoppen. Der Rosenkranz ist ein Friedensappell. Ich sagte zu ihr, sie solle wie die Mutter Gottes wiederholen: „Tut, was Er Euch sagt“, um so die Batterien ihrer Hoffnung aufzuladen. Die Hoffnung führt zum Frieden. Zentralafrika muss das Vergangene hinter sich lassen, den Frieden suchen, im Frieden leben. Sie antwortete, sie bete gerade, um ihr Herz mit einem Tropfen Hoffnung zu füllen, mit dem ersten Tropfen für ihr leeres Glas. Ich sagte zu ihr, wenn die Hoffnung verloren geht, bleibt immer noch die Hoffnung, die Hoffnung wiederzuerlangen, die ja die Zwillingsschwester des Gebetes ist. Sie bat mich darum, für sie und ihre Kinder sowie für ihren Mann zu beten. Sie wollen diese Nacht dort auf der Wiese eine Gebetskette bilden, um Gott um den Frieden zu bitten. Während ich auf ihrer Stirn ein Kreuzzeichen machte, versprach ich ihr mein Gebet. Ich sagte ihr auch, ich würde andere bitten, für sie zu beten. Eine Gebetskette, die Gebetsnovene genannt wird, damit der Friede nach Zentralafrika zurückkehrt. Nach 35 Jahren in Afrika weiß ich aus Erfahrung, dass die Macht des Gebetes den Hass zum Schmelzen bringen kann. Der Hass verbittert. Der Friede versüßt das Leben. Ohne Weiteres zu vergeben, löst alle Knoten. Die bedingungslose Vergebung befreit von Mensch zu Mensch von der Bitternis und von der Traurigkeit.

Im Fernsehen werden weiterhin Szenen mit hysterischen jungen Menschen ausgestrahlt, die sich den Plünderungen und der Gewalt hingeben. Ein Volk kann nicht ein Leben lang die Saat des Hasses in seinem Herzen nähren. Ein Stadtviertel, eine Familie kann nicht auf ewig in Misstrauen und Argwohn leben und seine Nachbarn in Freunde und Feinde in Muslime und Andersgläubige einteilen. Man kann nicht Jahre lang mit einem Hassknoten in der Kehle, mit einem Kurzschluss des Zorns im Magen leben.

Zentralafrika lebt seit zehn Jahren in einem Zustand des „Staatsstreichs“, zehn Jahre der Aufruhr und der Angriffe auf die Macht, zehn Jahre Geruch nach Schießpulver in einem finalen Stadium, 10 Jahre des Wachsens ohne wirkliche Weiterentwicklung, des Lebens im Sterben.

Das Hilfswerk „Kirche in Not“ möchte vor Weihnachten eine Gebetsnovene für den Frieden in Zentralafrika veranstalten. Ich vereine mich mit ihnen in meinem Herzen. Das habe ich der Frau mit dem phosphoreszierenden Rosenkranz versprochen. Sie ist das Bild des zentralafrikanischen Volkes, das verarmt auf dem Boden liegt. Aber die zentralafrikanische Frau, die Mutter, Schwester oder Ehefrau, ist die einzige, die eine Spur Besonnenheit in die Herzen derer bringen kann, die statt Sternen des Friedens die Saat des Hasses säen.

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