Besuch aus Kirgistan

Pater Johannes Kahn SJ aus Kirgistan weilte vom 8. bis 16. September 2018 in der Schweiz. Er feierte während diesen Tagen Heilige Messen und hielt Vorträge. Pater Johannes Kahn ist Nachkomme deportierter Deutscher und berichtete über seinen Wirkungsort in Kirgistan, über das Leben in Zentralasien und die Projekte des Hilfswerks.Termine

Kirche in NOt ACN Kirgistan

Das internationale katholische Hilfswerk «Kirche in Not» lädt gerne Geistliche aus dem Ausland ein, damit sie quasi als Experten berichten, wie die Hilfsgelder des Hilfswerks eingesetzt werden. Im September besuchte uns der Jesuit Johannes Kahn. Das Hilfswerk unterstützt Projekte in Zentralasien mit jährlich rund CHF 500’000.

Die Grossmutter war für religiöse Fragen im Dorf zuständig
Pater Kahn wurde am 9. September 1965 in der Sowjetunion geboren, auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan. Seine Familie war sehr religiös. In seinem Heimatdorf gab es damals keinen katholischen Priester, wie in so manchen Gebieten in der ehemaligen Sowjetunion, weshalb seine Grossmutter ihn und viele andere Kinder aus der Umgebung religiös erzog, was wegen Verboten nur im Geheimen geschehen konnte.
Um regelmässig Sakramente empfangen zu können, zog die Familie Kahn 1978 innerhalb Kasachstans in ein anderes Gebiet, wo ein katholischer Priester wirkte. Unter ihm wurde Johannes Kahn Ministrant, lernte die Freude der Liturgie kennen und entschied sich zum Theologiestudium, das er nach einem zweijährigen Militärdienst in der Sowjet-Armee aufnehmen konnte. 

Ordensleute teilen ihre Einkommen mit den Gläubigen
«Kirche in Not» unterstützte die katholische Kirche in Kirgistan in den vergangenen Jahren mit mehreren Zehntausend Schweizer Franken. Die Kirche in diesem zentralasiatischen Land ist sehr arm und auf ausländische Zuwendungen angewiesen. Katholische Geistliche haben keinen Lohn, erhalten aber jährlich rund 1‘200 US$ für Mess-Stipendien. Das ist sehr wenig, doch noch dieses Wenige teilen viele Ordensleute mit noch ärmeren Gläubigen.
Die grösste Religionsgemeinschaft bilden mit rund 75% Muslime. Weitere 20% sind Angehörige der russisch-orthodoxen Kirche. Katholiken gibt es in Kirgistan nur wenige Tausend und im Gegensatz zu Muslimen und Russisch-Orthodoxen geniessen sie keine Privilegien.
Die Katholiken sind oft arm und leben über das ganze Land zerstreut. Dennoch besuchen die katholischen Priester ihre Gläubigen möglichst häufig, um mit ihnen über ihre Sorgen zu sprechen und zu beten. Dies ist eine nötige, aber beschwerliche Art der Seelsorge, in einem Land mit schlecht ausgebauten Strassen, wo im Winter das Thermometer auf -40 Grad sinkt.

Radikalisierung der Muslime in Kirgistan
Pater Johannes Kahn ist der Ansicht, dass Kirgistan bis 2001 das friedlichste muslimische Land war. Dies habe sich erst geändert, als die kirgisische Regierung dem US-Militär einen Stützpunkt zur Verfügung stellte. Pater Kahn meint: „Dies rief ausländische radikale Muslime auf den Plan, die nach Kirgistan strömten und die dort lebenden Muslime aufzuwiegeln versuchten. Seit mehreren Jahren fliesst aus dem arabischen Raum Geld ins Land, um neue Moscheen zu erstellen. Als Folge davon findet eine schleichende Radikalisierung der Muslime statt.“
Dennoch: Bei den Präsidentenwahlen im Oktober 2017 war es das erste Mal in der jüngeren Geschichte Kirgistans, dass das Land einen friedlichen Machtwechsel durch eine regulär stattfindende Wahl erlebte. Ebenso gilt das verarmte Land als Insel der Demokratie in der Region. Mit dem absoluten Mehr im ersten Wahlgang wurde der Ex-Regierungschef Soroonbaj Scheenbekow gewählt.

Pater Johannes Kahn freut sich, Sie in der Schweiz zu treffen. Mit Ihrem Erscheinen bringen Sie ihm Ihre Solidarität mit den Christen in Zentralasien zum Ausdruck. 

Bildlegenden:

1) Pater Johannes Kahn SJ (Bild: «Kirche in Not»)

2) Pater Johannes Kahn während der Heiligen Messe (Bild: «Kirche in Not»)

3) Pater Kahn mit Jugendlichen (Bild: «Kirche in Not»)

4) Jugendliche musizieren während des Gottesdienstes (Bild: «Kirche in Not»)

5) Arme Kinder in Kirgistan (Bild: «Kirche in Not»)

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