Botschaften aus einem Land christlicher Märtyrer

Selbst wenn die Christen wegen ihres Einsatzes für Bildung und Gesundheit in Aegypten von Angehörigen anderer Konfessionen und vom Staat sehr geschätzt werden, gelten sie im Land am Nil dennoch nicht als gleichwertige Bürgerinnen und Bürger. Wie Bischof Dr. Kyrillos Samaan aus Assiut (Mittelägypten) während seines kürzlich erfolgten Besuches in der Pfarrei Villmergen zu berichten wusste, gibt es heute noch Benachteili­gungen, gar Märtyrer in Aegypten. Der Vertreter der koptisch-katholischen Kirche weilte auf Einladung des Hilfswerks «Kirche in Not» in der Schweiz.

Kirche in Not ACN Ägpyten

In Aegypten leben derzeit rund 100 Mio. Einwohner, wovon ungefähr 15% Christen sind. Davon machen die koptischen (= ägyptischen) Katholiken mit 250‘000 Gläubigen eine kleine Minderzeit aus. Sie leben über das ganze Land verteilt und sind in sieben Bistümern organisiert. Bischof Samaan, der auch als Professor und Regens des Priesterseminars in Kairo tätig war und perfekt deutsch spricht, bemüht sich mit grossem Einsatz als Brückenbauer zwischen den Religionen. Dabei kommt ihm das Engagement der katholischen Kirche in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales zu Nutzen.

Christen sind bis heute eine Kirche der Märtyrer geblieben
Bereits der Rückblick in die Geschichte des Christentums im Aegypten zeigt eine bewegte Vergangenheit. Sie geht in ihren Anfängen auf den Evangelisten Markus zurück. Die ersten Mönche, welche im Westen Grundlagen für das Christentum legten, stammten aus Aegypten. Schon früh entstand eine Kirche der Märtyrer, durch welche die Weltkirche bereichert wurde. Weil sie ihren starken Glauben an Jesus Christus bezeugten und diesen nicht aufgeben wollten, bezahlten dies Viele mit ihrem Leben. Leider besteht diese Situation heute noch.
Während 1400 Jahren haben Christen und Muslime friedlich nebeneinander gelebt, wobei es zu unterscheiden gilt zwischen Muslimen und Islamisten, bei welchen viele Fanatiker ange-siedelt sind. Seit anfangs der Fünfzigerjahre werden die Christen durch die politischen Macht­haber jedoch immer mehr diskriminiert. Während sie früher selbst in Schlüsselpositionen des öffentlichen Lebens tätig sein konnten, wird ihnen dies seit längerer Zeit verwehrt, womit sie zu Bürgern zweiter Klasse gemacht werden. So werden beim Erstellen von kirchlichen Bauten durch staatlichen Autoritäten bürokratische Hindernisse und Schikanen erstellt. Vieles ist für die Christen mit Kampf und Mühsamkeiten verbunden.

Ohne Gottvertrauen und Hilfe der Weltkirche geht es nicht
Die katholische Kirche fühlt sich gestärkt durch das Gottvertrauen, die Hilfe der Weltkirche, insbesondere von «Kirche in Not», sowie besonders durch ihre Märtyrer. An Weihnachten 2016 explodierte während der kirchlichen Weihnachtsfeierlichkeiten eine Bombe, welche 28 Menschen in den Tod riss. Papst Franziskus betete später bei seinem Aegypten-Besuch in dieser Kirche. Letztes Jahr gab es am Palmsonntag gleichzeitig zwei Attentate in zwei Kathedralen. Später wurde eine christliche Pilgergruppe von fanatischen Islamisten während einer Pilgerfahrt auf­gehalten, aus dem Fahrzeug gezerrt und zur Konversion zum Islam gezwungen. Nachdem die Christen dies verweigerten, wurde die ganze Gemeinschaft erschossen.
Die katholische Kirche leitet in Aegypten 170 Privatschulen, welche von 90% Nichtchristen besucht werden. Viele Muslime schätzen den Wert dieser Schulen, da ihre Kinder eine gute Erziehung und eine ausgezeichnete Grundlage für die spätere Ausbildung erhalten. Weiter betreibt die katholische Kirche viele Spitäler, was von der Bevölkerung, wie auch vom Staat, sehr geschätzt wird. Bei diesen Aufgaben erfüllen Patres und Nonnen Schlüsselfunk­tionen. Die vielfältigen karitativen und sozialen Aufgaben können nur durch die göttliche Vorsehung und die Unterstützung aus der Weltkirche, insbesondere durch das Hilfswerk «Kirche in Not», wahrgenommen werden, wofür der ägyptische Gast lobende und dankende Worte fand. Die Christen in Ägypten sind auf die Gebete und die materielle Hilfe angewiesen.
Erfreulich ist, dass viele Muslime mit den Christen harmonisch zusammenarbeiten und gar während der christlichen Gottesdienste die Kirchen gegen mögliche Terrorangriffe abschir­men. Bei christlichen Glaubensfesten, so besonders Maria Himmelfahrt, gesellen sich viele friedvolle Muslime zu den Christen, um mit ihnen gemeinsam zu feiern. Umso mehr schmerzt es tief, wenn Anschläge von Fanatikern das friedliche Nebeneinander trüben und unter den Menschen immer wieder Angst und Schrecken verbreiten. Unter der Führung des heutigen Staatspräsidenten Abd al-Fattah as-Sisi tut der Staat, was er kann, um die Bevölkerung zu schützen.

Fotos:

  1. Bischof Kyrillos Kamal William Samaan, Bistum Assiut, Ägypten (Bild: «Kirche in Not»)
  2. Bischof Samaan während der Hl. Messe (Bild: «Kirche in Not»)
  3. Bischof Samaan schreitet mit Gläubigen durch die Stadt (Bild: «Kirche in Not»)
  4. Trauerfeier in der Markuskathedrale in Kairo, Sonntag 7. April 2013 (Bild: «Kirche in Not»)
  5. Frauen beim Gebet, Ägypten (Bild: «Kirche in Not»)
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