Emeritierter Patriarch Gregorios III. Laham, Damaskus, Syrien, zu Gast in der Schweiz

Aus Syrien, dem Land zwischen Hoffen und Bangen hat «Kirche in Not (ACN)» den emeritierten Patriarchen Gregorios III. Laham aus Damaskus in die Schweiz eingeladen. Gregorios war während 17 Jahren verantwortlich für die Geschicke der mit Rom unierten melkitisch griechisch-katholischen Kirche in Syrien. Er berichtet zwischen dem 8. und 11. November 2018 über die aktuelle Lage in seiner Heimat. Agenda Zürich-Oberländer Zeitung Galerie


Der Anfang 2011 ausgebrochene bewaffnete Konflikt in Syrien hat zu einer schweren humanitären Krise geführt und der syrischen Bevölkerung unendliches Leid zugefügt. Bisher wurden je nach Quelle zwischen 350‘000 bis 500‘000 Personen getötet, eineinhalb bis zwei Millionen Menschen wurden verwundet. Im Kriegsgebiet sind 13 Mio. Menschen von Nothilfe abhängig, was 50% der syrischen Bevölkerung entspricht. Zur Linderung dieser Not konnte «Kirche in Not» allein im Jahr 2017 rund CHF 7 Mio bereitstellen.

Ungewisse Zukunft der Christen in Syrien

Durch den Krieg und das Embargo leidet Syrien auch am wirtschaftlichen Niedergang. Kinder und Kranke sterben aufgrund nicht vorhandener Arzneimittel. Für den Lebensunterhalt und die ärztliche Betreuung notleidender und vertriebener Familien in mehreren Teilen des Landes, vor allem in Aleppo und Homs, stellt «Kirche in Not» deshalb mehr als CHF 2.3 Mio. zur Verfügung.

Ein weiteres schwerwiegendes Problem im Land stellt die Migration dar. Unter der Flut der Migranten befinden sich auch syrische Christen. Waren sie schon vor dem Krieg eine Minderheit in Syrien, so drohen sie durch die Emigration völlig aus dem Land zu verschwinden. Aktuell leben in Syrien nur noch ein Drittel der Christen, die früher dort gelebt haben. Durch die Abwanderung der letzten Jahre droht Syrien ein Land ohne Produktivität und ohne Arbeitskräfte zu werden.

Die Christen gelten im ganzen Nahen Osten als „kulturelle Brücke“ zwischen dem Westen und dem Orient. Sie spielen eine entscheidende Rolle als Friedenselement innerhalb der syrischen Gesellschaft. Wenn die Christen verschwinden, werden viele neue Probleme entstehen.

Besondere Hilfe für Kinder und junge Menschen

Ein grosses Ziel des Hilfswerks für die nächsten Monate ist die Unterstützung der Kinder und jungen Menschen, die eigentlich die Zukunft des Landes wären. Aber gerade die elterliche Sorge um die Zukunft der Kinder ist oftmals der Grund für die Auswanderung vieler christlicher Familien. So richten sich 25% der von «Kirche in Not» neu bewilligten Projekte an die Jugend. Einerseits hat «Kirche in Not» mehrere Stipendienprojekte begonnen, denn viele Familien haben ihr Haus und ihre Arbeitsplätze verloren, weshalb sie über keine Mittel für die Ausbildung ihrer Kinder verfügen. Wegen der wirtschaftlichen Not müssten viele eine Zukunft ausserhalb des Landes suchen. In den nächsten Monaten kommt dieses Programm 1‘215 Schülern und 437 Studenten aus Homs sowie 105 Studenten aus Damaskus zugute. Ausserdem hat «Kirche in Not» Hilfe für die Einschulung von Kindern aus 300 notleidenden Familien aus Damaskus sowie von kranken Kindern und Waisen zugesagt.

Patriarch em. Gregorios III. Laham

Das Christentum ist seit der Entstehungszeit in Syrien präsent. Der Apostel Paulus hatte sein Bekehrungserlebnis ganz in der Nähe von Damaskus. Der emeritierte Patriarch Gregorius setzt sich sehr dafür ein, dass die Christen weiterhin im Land bleiben und eine Perspektive haben. Er reist in der ganzen Welt umher, um auf das traurige Schicksal der Christen in Syrien aufmerksam zu machen und um Hilfe zu bitten.

Patriarch em. Gregorios Laham ist im Jahr 1933 in Syrien unter dem Namen Lufti Laham geboren. 1981 wurde er zum Bischof geweiht. Im Jahr 2000 wurde er zum Patriarchen von Antiochien und dem Ganzen Orient, von Alexandrien und Jerusalem gewählt. Papst Franziskus nahm am 6. Mai 2017 seinen Rücktritt als Patriarch an. Bis heute setzt sich der em. Patriarch für einen Dialog aller beteiligten Parteien in Syrien ein, um den Bürgerkrieg zu einem Ende zu bringen. Das ehemalige Kirchenoberhaupt spricht viele Sprachen, namentlich auch sehr gut Deutsch.

 

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