Nuntius im Irak und in Jordanien: “Ein Naher Osten ohne Christen ist undenkbar”

Der Apostolische Nuntius des Heiligen Vaters im Irak und in Jordanien, Erzbischof Alberto Ortega, besuchte in Madrid das spanische Nationalbüro von «Kirche in Not». Während seines Besuches des Hilfswerks in seiner Heimatstadt hob Ortega die Bedeutung des grossen «Tages des Gebets und der Reflexion» hervor, den Papst Franziskus in Bari zusammen mit Patriarchen der orientalischen Kirchen am Samstag, den 7. Juli, gefeiert hat, wo auf die schwierige Situation von Christen in dieser Region eingegangen wurde. Video: Wiederaufbau im Irak

ACN Kirche in Not Irak

Mit dieser Gebetsfeier „wenden wir unseren Blick nach Osten”, erklärte er, “auf die Gegend, in der der Glaube seinen Ursprung hat, wo man in Frieden leben müsste und es dennoch Konflikte gibt. Auf einen Ort, an dem Christen zu einer äusserst wichtigen Arbeit aufgerufen sind”. Für den Erzbischof und Nuntius im Irak und in Jordanien sei „der Aufruf zu dieser Initiative wegen des Gebetes, das sie beinhaltet −besonders des gemeinsamen Gebetes −, sehr schön und höchst wertvoll“ Wörtlich sagte er: „Katholiken, Orthodoxe, Christen anderer Konfessionen…beten zusammen und lenken damit indirekt die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die Notwendigkeit, in diesen Ländern Frieden und Entwicklung und die christliche Präsenz, die allen zugute kommt, zu unterstützen”.
Er betonte, einen Nahen Osten ohne Christen könne man sich nicht vorstellen: „Es wäre kein Naher Osten, sondern etwas anderes. Es ist sehr wichtig, den Geist dieser Initiative beizubehalten, damit Gruppen verschiedenen Glaubens zusammenleben, sich respektieren und das Land gemeinsam aufbauen können”, fügte Erzbischof Ortega hinzu.
Im Nahen Osten hätten Christen immer die Aufgabe gehabt, “Instrumente des Friedens und der Wiederversöhnung, der Einheit und Entwicklung“ zu sein. Es sei „eine Berufung, stille Zeugen zu sein, da man dort nicht öffentlich die Gegenwart des Herrn verkünden kann”.
“Diese sehr einfache und diskrete Aufgabe ändert jedoch die Wirklichkeit und berührt die Herzen”, bemerkte der Nuntius, “und zeigt sich in den verschiedenen Aktivitäten der Kirche: den Schulen, Ambulanzen, Krankenhäusern, in dem ganzen karitativen Werk der Kirche”.

Ein neuer Kardinal, der auch den Muslimen willkommen ist
Erzbischof Ortega ist gerade aus Rom zurückgekehrt, wo er am Konsistorium für die Kreierung der neuen Kardinäle teilnahm, unter ihnen der chaldäische Patriarch Luis Sako.
Seiner Meinung nach stellt diese besondere Geste von Papst Franziskus “eine Unterstützung der Christen im Irak, im ganzen Nahen Osten und in der ganzen Region” dar und sei eine Nachricht gewesen, die „mit grosser Freude und Dankbarkeit begrüsst“ worden sei.
„Diese Botschaft wurde nicht nur von den Christen sehr gut aufgenommen, sondern auch von den Muslimen. Den Patriarchen erreichten seitens der Muslime sehr viele Zeichen der Wertschätzung und Nähe, angefangen mit dem Präsidenten des Irak, dem Premierminister, dem Aussenminister, vielen weiteren Persönlichkeiten und auch von einfachen Leuten, die in dieser Erhebung zum Kardinal ein Zeichen der Nähe des Papstes zu ihrem Land und seinen Christen gesehen haben”.

Der neue Kardinal Luis Sako habe nun eine Stimme, “die mehr Gewicht und moralische Autorität hat und mit der er sich besser behaupten kann”, um Christen in seinem Land zu unterstützen und zu verteidigen, bekräftigte der Apostolische Nuntius. 

Es sind schon fast die Hälfte der Christen zurückgekehrt
Im Gespräch über den Irak bestätigte der Nuntius, dass die Situation des Landes nunmehr “etwas besser geworden” sei und die Christen nach und nach in ihre Häuser in der Ninive-Ebene zurückkehren. Dies geschehe dank der Hilfe von Organisationen «Kirche in Not» und anderer, sowie auch von einigen Regierungen.
„Etwa die Hälfte der Christen ist in ihre Häuser zurückgekehrt, und dies ist eine gute Nachricht. In Karakosch, der Stadt mit den meisten Christen, sind es mehr als 5.000 Familien. In einigen christlichen Dörfern normalisiert sich das Leben wieder langsam”, kommentierte er.
Er fügte jedoch hinzu, dass „noch viel zu tun sei brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Hilfe fortgesetzt werde, da „die Christen nur zurückkehren können, wenn sie wieder ein Haus besitzen und Arbeit finden“. Deshalb sei es so wichtig, dass die internationale Hilfe, die Hilfe der Kirche, weitergehe, da sie „aufgrund ihres Glaubens alles verloren haben”.
Letztendlich wünschten sich die Christen im Irak, „dass sie immer mehr als Bürger anerkannt werden, mit denselben Rechten und Pflichten wie der Rest der Bevölkerung und dass die Arbeit, die sie zum Wohle aller erbringen, geschätzt wird. Oft sind es die Muslime selbst, ihre Nachbarn, die sagen, dass sie möchten, dass sie bleiben und nicht fortgehen, da es ihnen mit ihnen zusammen besser geht”.
Nach Ansicht von Erzbischof Ortega haben die Christen des Landes der weltweiten katholischen Kirche zwei eindrucksvolle Zeugnisse gegeben: „Den Wert des Glaubens und ihre Verbindung mit dem Herrn, für den sie sofort bereit waren, alles zu verlieren und auf ihr Haus und ihre Arbeit zu verzichten…”
Überdies sei es ein “ausserordentliche Beispiel der Vergebung“. „Wenn man hört, wie diese Christen vergeben und für diejenigen beten, die sie verfolgt haben, ist es ein Zeugnis dessen, dass der Herr mit ihnen ist und durch sie wirkt. Rein menschlich gesehen ist es sehr schwer, demjenigen zu verzeihen, durch den du alles verloren hast, der dich aus deinem Haus vertrieben oder einen Verwandten getötet hat.”

Seit 2011 bis zum Juni 2018, hat «Kirche in Not» über CHF 45 Millionen für pastorale Projekte und Nothilfe im Irak bereitgestellt. Allein im Jahr 2017 unterstützte «Kirche in Not» Projekte für CHF 10,5 Millionen. «Kirche in Not» ist die Hilfsorganisation, die sich in der Ninive-Ebene am stärksten engagiert.

Fotos:

1) Der Apostolische Nuntius des Heiligen Vaters im Irak und in Jordanien, Erzbischof Alberto Ortega (Bild: «Kirche in Not»)
2) Der neu ernannte Kardinal, der chaldäische Patriarch Luis Sako (Bild: «Kirche in Not»)
3) Mutter und Tochter in einem mit Hilfe von «Kirche in Not» renovierten Haus in Karakosch, Irak (Bild: «Kirche in Not»)
4) Ein durch den IS zerstörter Strassenzug in Karakosch, Irak (Bild: «Kirche in Not»)
5) Wiederaufbau in Teleskuk, Irak (Bild: «Kirche in Not»)

Nuntius im Irak und in Jordanien: “Ein Naher Osten ohne Christen ist undenkbar”_5517